Historische Landschaftscharakterisierung
Marschen von Norderdithmarschen
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Name der Landschaftseinheit:
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Norderdithmarschen
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Grenzen:
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Marschen an der Wattenmeerküste Schleswig-Holsteins, begrenzt von der Eider im Norden, der Meldorfer Bucht im Süden, die die zwei Gebiete Norderdithmarschen und Süderdithmarschen trennt, sowie der Geest und den vorgelagerten Sandwällen im Osten. Nördlich grenzt die Landschaftseinheit Eiderstedt an.
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Ort/Lage – Karte
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Nördliche Marschen des Kreises Dithmarschen, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Namensherkunft:
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Der Name „Dithmarschen“ stammt von dem sächsischen Namen „Thiatmaresgaho“ um 800, der übersetzt werden kann als „Land mit großen Sümpfen/Gewässern“.
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Beziehungen/ Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
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- Marschhufendöfer wie in der Kremper und Wilster Marsch sowie in den Niederlanden
- Mittelalterliche Kirchen wie in Nordfriesland, Elbmarschen
- Entwässerungsnetz aus natürlichen und künstlichen Gräben und Kanälen wie in anderen Marschgebieten
- Speicherköge, die überwiegend Naturschutz- und Wasserrückhaltefunktion haben wie in der Wiedingharde, zwischen der Südergosharde und Nordstrand und in der Nordergosharde
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Charakteristische Elemente und Einheiten:
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- Reihen küstenparalleler, mittelalterlicher Wurten mit angrenzenden langen Landstreifen, getrennt von parallelen Drainagegräben (Marschhufendörfer)
- Unregelmäßige, mittelalterliche Deichlinien mit Deichwurten
- Große mittelalterliche Dorfwurten mit ursprünglichem rechtwinkligem oder ringförmigem Straßennetz
- Frühmittelalterliche Burgwälle
- Ringdeichtränken
- Wehlen und andere Reste von Deichbrüchen
- Bauernhauslandschaft aus Gulfhäuser, Dwerhäuser, Gründerzeithöfen
- Hafenanlagen und Sielhäfen
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2.1. Allgemein
Die Marschen Dithmarschens an der Wattenmeerküste Schleswig-Holsteins sind durch die Flüsse Eider im Norden und Elbe im Süden begrenzt, während die Meldorfer Bucht die Marschen in die zwei Landschaften Norderdithmarschen und Süderdithmarschen teilt. Der Festlandgeest im Osten ist eine Nord-Süd verlaufende Reihe von Sandwällen einer frühen Küstenlinie aus Nehrungen vorgelagert, bevor sich in den letzten Jahrhunderten v. Chr. Marschen westlich daran anlagerten. Das Land dazwischen, niedrig gelegen und vom Meer abgeschnitten, vermoorte, wie Reste in der Nähe von Lunden und Krempel zeigen. Das Marschgebiet westlich der Geest und der Dünenlinie kann heute in drei parallele Zonen aus ehemaligen Mooren und sumpfigem Marschland (Sietland), etwas höherer alte Marschen und vergleichsweise hohen, junge Marschen, die erst seit der frühen Neuzeit eingedeicht wurden, eingeteilt werden. Die letzten Überreste der großflächigen Moore vor der Geestkante, die seit dem Mittelalter größtenteils entwässert wurden, findet man mit dem Weißen Moor bei Hemme. Die Gegend des heutigen Büsums besteht aus Resten einer ehemaligen Düneninsel mit angelagerten Marschen vor den alten Marschgebieten des Festlands, die seit dem 16. Jahrhundert mit diesen verbunden ist.
Die Marschen Norderdithmarschens weisen wenig Relief auf und sind durch gewundene Linien küstenparalleler mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Deiche sowie durch vorwiegend Nord-Süd und Ost-West verlaufende Straßen und Drainagekanäle strukturiert. Die teilweise bewaldete Geest bildet eine signifikante Grenze zu den baumarmen, flachen Marschen. Felder in den alten Marschen östlich von Wesselburen sind meist durch lange und parallele Gräben geprägt, die sich an Gehöftreihen auf mittelalterlichen Deichen orientieren und die durch spätere Parzellenvergrößerung heute als oft unregelmäßig große Blockflure erscheinen. Die Als Flurform dominieren in den angrenzenden, jüngeren Marschen verstärkt unregelmäßige Felder, abgegrenzt durch den Lauf ehemaliger Priele. Die meisten modernen Köge im Westen sind wieder durch fast quadratische und größere Blockflure charakterisiert, die sich entlang eines Systems rechtwinklig angelegter Straßen innerhalb der Köge orientieren. Ehemalige Priele haben sich nur an wenigen Stellen erhalten und sind als Drainagekanäle mit mäandrierenden Verläufen sichtbar. Bäume sind nur entlang von Straßen und um Siedlungen herum angepflanzt und beschränken einen ungehinderten Blick über die Marschen. Die Dörfer liegen inselartig auf einer Warft, vereinzelt greift die Bebauung in die umgebende Marsch aus. Gehöfte finden sich einzeln aufgereiht entlang von Straßen. Besonders Büsum als Siedlungszentrum weicht von dieser Struktur ab und ufert mit modernen Wohn- und Gewerbegebieten stark in seine Umgebung aus. Hier stehen auch mehrstöckige Gebäude und hohe Apartmenthäuser, ebenso wie ein künstlicher Strand vor dem Außendeich angelegt wurde. Hohe, vertikale Bauwerke sind zudem Kirchen, einige Gebäude innerhalb der Dörfer und vor allem Getreidesilos, Starkstromleitungen und Windkraftanlagen mit einer Höhe bis zu 100 Metern. Als große Industrieanlage hat das petrochemische Werk bei Wöhrden eine besondere Fernwirkung in der Marsch.
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Die erste Besiedlung kann auf dem Geestrand und dem Sandwall von Lunden durch Megalithgräber bis in die Jungsteinzeit, durch Einzelfunde sogar bis in die mittlere Steinzeit zurückverfolgt werden. Die frühesten Siedlungsspuren in den Marschen sind küstenparallele Reihen von Flachsiedlungen aus der älteren Kaiserzeit, etwa in Tibensee, die auf erhöhten Uferwällen von Prielen errichtet wurden. Mit Mist und Klei wurde später das Niveau der Höfe zum Schutz gegen Hochwasser erhöht. Diese Siedlungen mussten gegen Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. aufgrund des weiter steigenden Meeresspiegels verlassen werden. Als sich das Meer wieder etwas zurückzog, begannen neue, sächsische Siedler seit der Mitte des 7. Jahrhunderts Höfe auf erhöhten Uferwällen der zwischenzeitlich neu aufgelandeten Marschen weiter im Westen zu errichten. Einzelne, niedrige Hofwurten wurden später mit Mist- und Kleischichten erhöht und verbunden. Diese großen Wurten in den alten Marschen boten genügend Platz für ganze Dörfer, wie z.B. auf einer Wurt bei Wellinghusen, die im 14. Jahrhundert wieder verlassen wurde. Dorfwurten wie Hassenbüttel legte man seit dem 9. Jahrhundert auch in niedriger gelegenen Marschgebieten an. Einige Dörfer wie Wesselburen und Wöhrden zeigen noch immer ihre mittelalterliche, ringförmige Anlage um das Zentrum.
Bauernhäuser aus jener Zeit wiesen mit ihren Kleisodenwällen eine ähnliche Konstruktion wie in der Kaiserzeit auf. Der Unterhalt der Menschen basierte zumeist auf der extensiven Viehhaltung auf den regelmäßig überschwemmten Marschen und auf Fischerei, während Ackerbau nur in geringem Umfang auf den hohen Uferwällen betrieben werden konnte. Zur Zeit der Wiederbesiedlung und wohl noch bevor Dithmarschen zu einem Teil des Reichs Karls des Großen wurde, entstand die Stellerburg bei Weddingstedt als Ringwall, der auf einem in das Sietland ragenden Geestsporn liegt, und zur Überwachung und als Fluchtburg für diesen Teil Norderdithmarschens diente.
Im 12. Jahrhundert begannen die sächsischen Stämme die alten Marschen mit Deichen parallel zur Küste zu schützen. Damit wurde die Phase kleinerer Ringköge um die Warften, wie man sie aus Eiderstedt oder Nordfriesland kennt, übersprungen. Lediglich die Insel Büsum musste von ihrer Marschseite im Osten her umdeicht werden. Reste der alten Deiche existieren noch bei Schülp oder als Schweinedeich in Büsum. Im Zuge eines ersten Landesausbaus wurden zu dieser Zeit in der westlichen Marsch Dorfwurten wie Schülp und Büsumer Deichhausen mit einem rechtwinkligen Wegenetz neu errichtet. Fischerei trug einen wichtigen Teil zur Versorgung bei, bis neue Köge die Küstenlinie weiter nach Westen verschoben. Seit der Eindeichung der Marschen wurde Ackerbau in größerem Umfang möglich. Die Äcker waren wohl in Privatbesitz, währen die Weiden von allen Bauern eines Dorfes in Allmende genutzt wurden und sich zumeist entlang von Straßen, in feuchten Niederungen und vor den Außendeichen befanden. Dadurch konnten die Moore des sog. Sietlandes, zwischen den Sandwällen vor der Geest und der fruchtbaren alten Marsch, entwässert werden und waren im 14. Jahrhundert schließlich durch zwei parallelen Reihen von Marschhufendörfer, bestehend aus einzelnen Hofwurten erschlossen, die oft noch die erhöhten Reste der kaiserzeitlichen Wurten nutzten.
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Die gotische Kirche von Hemme.
Die langen Feldstreifen und Viehweiden, begrenzt durch Drainagegräben, wurden entlang dieser linearen Stammessiedlungen, wie Jarrenwisch, ausgerichtet und sind heute noch immer sichtbar. Auch anderen, zu dieser Zeit gegründeten Siedlungen existieren noch, wie z.B. das Dorf Neuenkirchen, das erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt wurde und das entlang einer Ost-West Straße gelegen ist, die die zwei Reihen der Marschhufendörfer verbindet. Alte Straßen in den ehemaligen Mooren, wie der Lundener Moorweg, stammen aus dieser Zeit, als die Moore östlich von Lunden und Krempel zunehmend entwässert und kultiviert wurden. Teile eines romanischen Turms in der Kirche von Wesselburen und die gotische Kirsche von Hemme aus dem 14. Jahrhundert sind die ältesten Reste von zahlreichen Kirchen, die im Laufe der Gemeindebildungen seit dem 12. Jahrhundert errichtet wurden. Während des späten Mittelalters erlangte Dithmarschen durch die Anhäufung zahlreicher Privilegien, v. a. für die führenden Familien, eine wachsende Unabhängigkeit von Landesherren, wie dem Erzbischof von Bremen.
3.2. Frühe Neuzeit
Dithmarschen wurde 1559 nach dem Ende einer kurzen Periode der Unabhängigkeit als Bauernrepublik in die zwei sog. Landschaften Norderdithmarschen und Süderdithmarschen aufgeteilt. Der nördliche Teil fiel unter den Herzog von Gottorf. Die Mausoleen auf dem Friedhof von Lunden, das 1568 errichtete Swyn-Haus und der Speicher in der Hafenstraße in Wöhrden von 1519 sind Zeugen des Reichtums der Marschbauern aus der Zeit der Unabhängigkeit und kurz danach. Ringdeichtränken,wie diejenigen im Wesselburener Koog und Preiler Koog, stellten Frischwasser für das Vieh auf den ungeschützten Deichvorländern zur Verfügung, bis diese in den folgenden Jahrhunderten eingedeicht wurden. Die Siedlungen wurden in den neuen, fruchtbaren Kögen unter dem Schutz der höheren Deiche nun zu ebener Erde oder auf sehr flachen Warften errichtet.
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Das steile Profil eines frühneuzeitlichen Deichs bei Hellschen, südwestlich von Wesselburen.
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Deich, der um eine Wehle in Westerdeichstrich herum geführt wurde.
Der heutige Ort Büsum entstand aus der Dorfwurt Nordorp auf der Dünen-Insel, während zwei andere Dörfer von den Wellen verschlungen wurden, die den südlichen Teil der Insel bereits im Mittelalter erodierten.1585 wurde die Insel mit den Festlandmarschen über einen Damm, den Wahrdamm, verbunden. Die Verbindung wurde durch neue Köge, die private Investoren eindeichten und finanzierten, im 17. und 18. Jahrhundert vollständig geschlossen. Diese Entwicklung markierte einen bedeutenden Wandel, da der Deichbau und Erhalt bis dahin Aufgabe der Dorfgemeinschaften bzw. jedes Einzelnen gewesen war. Einige dieser neuen, sog. oktroyierten Köge, wie der Hedwigenkoog und der Friedrichsgabekoog, zeigen immer noch die Reste der ursprünglichen Landschaft des Deichvorlandes mit vielen unregelmäßig verlaufenden Prielen als Gräben, auf deren erhöhten Uferwällen man danach die Höfe errichtete. Diese Köge litten unter zahlreichen Deichbrüchen bis ins 20. Jahrhundert hinein, von denen zahlreiche Wehlen, als Überreste Zeugnis geben, wie die sieben Wehlen bei Westerdeichstrich. Diese Teiche wurden durch über den Deich strömendes Wasser ausgespült. Die neuen Köge schnitten einige Dörfer, wie Wöhrden und Schülp, von ihrem direkten Zugang zum Meer ab und machten es notwendig, neue Häfen in einiger Entfernung anzulegen, um Getreide und andere Produkte weiterhin verschiffen zu können. Diese werden heute noch durch Namen wie Schülperaltensiel und Schülperneuensiel bezeugt.
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Schleuse an der Stelle des alten Hafens von Schülp in Schülperaltensiel.
Der Bauernhaustypus des Gulfhauses wurde in Norderdithmarschen seit dem 17. Jahrhundert durch ost- und westfriesische Siedler eingeführt, die auch ihre fortschrittlichen Deichbautechniken mitbrachten, und ist mit dem Eiderstedter Haubarg verwandt. Viele Scheunen wurden auf ähnliche Art mit vier bis sechs zentralen Pfosten errichtet. Der einheimische Typ des sog. Dwerhauses, wie eines bei Epenwöhrden, stammt von früheren niederdeutschen Hallenhäusern ab und war in dieser Gegend vom 16. bis 19. Jahrhundert häufiger in Gebrauch.
3.3 Neuzeit
Während man den Großteil der Marsch für den Ackerbau nutzte, wurden die noch existierenden gemeinschaftlichen Weiden am Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der Verkopplung durch neue Drainagegräben geteilt, entwässert und Eigentum der Bauern. Die landwirtschaftliche Situation veränderte sich auch im Zuge der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und besonders nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871, als ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung neuen Wohlstand mit sich brachte. Diese Entwicklung führte zum Bau größerer Höfe und traditionelle Hausformen wurden für repräsentativere Höfe im Gründerzeitstil, wie in Tiebensee, Wennemannswisch oder Jarrenwisch, aufgegeben, die nun mit Ziegeln gedeckt wurden. Diese „grüne“, landwirtschaftliche Industrie förderte etwa die Einführung des Kohlanbaus und die Gründung der ersten Fabriken der Region, wie eine Zuckerfabrik in Wesselburen, die heute noch als Gebäude für Veranstaltungen genutzt wird. Weitere Fabriken wurden auf der Geest in Heide für Streichhölzer und Holzschuhe errichtet.
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Der alte Fischereihafen von Büsum.
Der Ort Büsum, ursprünglich nur für den Frachttransport genutzt, blühte nach der Gründung eines Kurbads vor etwa 150 Jahren und nach der späten Einführung der Fischerei 1881 auf. Fischkutter, v. a. für Krabben, laufen noch heute aus dem alten Hafen von 1905/06 aus. Das Rathaus, erbaut 1915/16 in neobarocken Stil, erzählt vom Wohlstand jener Zeit. Der neue Hafen mit seinen großen Fluttoren ist hingegen gezeitenunabhängig. Schiffswracks finden sich immer noch in den tiefen Gewässern der Süderpiep. Ein Wrack wurde in einem alten Deichbruch von 1696 entdeckt. Es wurde dort versenkt, um die Lücke wieder zu verschließen.
Die Veränderung der Küstenlinie und die Zeit der Neueindeichungen endeten im späten 20. Jahrhundert mit der Begradigung der Deichlinie, der Eindeichung des weitflächigen Speicherkoogs in der Meldorfer Bucht und mit dem Bau des gewaltigen Eidersperrwerks, das den Fluss seit 1973 vor Sturmfluten schützt. Der Speicherkoog wurde wird als Wasserrückhaltebecken und Naturschutzgebiet, für den Küstenschutz und benutzt.
Alte Priele, die von modernen Fluren nach der Eindeichung überlagert wurden.
4.1. Landnutzung
Die Landwirtschaft besitzt eine große ökonomische Bedeutung und ist aufgrund des intensiven Anbaus, der Spezialisierung auf Gemüse und der guten Bodenqualität wettbewerbsfähig. Mehr als die Hälfte des in Schleswig-Holstein angebauten Gemüses kommt aus Dithmarschen. Die immer noch existierende Krabbenfischerei im Hafen Büsums arbeitet traditionell und daher auf eher Ressourcen schonender Basis. Neben dem Wattgebieten und dem großen Speicherkoog sind nur wenige Bereiche, v. a. entlang der Eider und entlang der Dünen bei Lunden, unter Naturschutz oder von besonderer Bedeutung für den Naturschutz. Der Naturschutz konzentriert sich verstärkt auf die extensive Weidenutzung in strukturreichen Gebieten, die nur in geringer Anzahl in der Gegend kartiert sind. Einige Deichverstärkungen im Zuge von Küstenschutzmaßnahmen sind vorgesehen.
4.2 Siedlungsentwicklung
Norderdithmarschen ist größtenteils eine strukturschwache ländliche Gegend, die sich allerdings nahe der Metropolregion Hamburg mit rund zwei Millionen Einwohnern befindet und damit Teil der städtischen Region mit über vier Millionen Einwohnern ist. Büsum und Wesselburen besitzen zentralörtliche Funktionen in den Marschen und besonders Büsum ist von modernen Wohngebieten mit teilweise mehrstöckigen Apartmenthäusern umgeben. Neubaugebiete werden sich weiterhin auf diese Städte mit ihren Funktionen als Zentren der regionalen Entwicklung konzentrieren. Aber auch hier wird die Demografie, mit auf lange Sicht schrumpfender Bevölkerung, wohl schließlich für ein geringeres Wachstum sorgen. Der Tourismus der Landschaftseinheit konzentriert sich auf Büsum. Einrichtungen wie das Sturmflutenmuseum „Blanker Hans“ zeigen die wachsende Bedeutung, die Büsum im Tages- und Eventtourismus und in Familien als Zielgruppe sieht.
4.3 Industrie und Energie
Eine petrochemische Fabrik befindet sich bei Wöhrden und ist von weitem sichtbar. In Wöhrden gibt es ebenfalls Fisch verarbeitende Industrie. Windkraftanlagen verteilen sich meist in kleinen Gruppen über die gesamte Marsch und können nur noch innerhalb der Grenzen ihrer jetzigen Vorrangflächen erweitert bzw. durch modernere ersetzt werden.
4.4 Infrastruktur
Die Bundesstraße von Heide nach Husum verläuft durch das ehemalige Sietland vor der Geest und soll auf vier Spuren erweitert werden. Eine weitere Umgehungsstraße für die Bundesstraße 203 zwischen Heide und Büsum ist bei Büsum geplant. Eine Eisenbahnlinie verbindet Büsum mit Heide. Die Förderung und Ausweitung des öffentlichen Verkehrs und eines Netzwerks für Radwege ist vorgesehen.
Der Landschaftsrahmenplan beschreibt die Landschaft auf einer allgemeinen Grundlage und listet einige wichtige Landschaftselemente wie Siedlungsstrukturen auf. Fokusgebiete für den Naturschutz liegen demnach hauptsächlich am Rande der Landschaftseinheit, während der größte Teil der Landschaft und besonders die alten Marschen als historische Landschaft und als Gebiete mit historischen Flurformen aufgenommen sind. Kulturlandschaft hat nur eine geringe Bedeutung in den Landschaftsmodellen des Rahmenplans, Entwicklungsziele berücksichtigen aber strukturell unterschiedliche Landschaften. Empfehlungen für den Schutz der historischen Landschaft beinhalten Agrarumweltmaßnahmen, die weitere Integration in die Raumplanung auf kommunaler Ebene und die Förderung der extensiven Viehzucht. Weiterhin wird empfohlen, die Anzahl der sog. typischen Landschaftselemente zu erhöhen und die existierenden Bestandteile in das Netzwerk der Biotope und Schutzgebiete zu integrieren. Der Regionalplan bestätigt das hohe Potenzial des Kulturerbes als Alleinstellungsmerkmal in Verbindung mit touristischen Leitbildern. Dennoch sind, ausgenommen einer Liste charakteristischer Landschaftsbestandteile, Aspekte des kulturellen Erbes kein integrierter Teil des Regionalplans. Der westliche Teil der Marsch ist als Ordnungsraum für Tourismus und Erholung von besonderem Interesse für den Tourismus und dadurch in seinen Möglichkeiten für neue tourismusrelevante Baumaßnahmen reguliert.
Viele traditionelle Bauernhäuser wurden nicht mit traditionellen Materialien modernisiert oder sind ganz verschwunden. Moderne Hofgebäude beeinflussen stark die älteren Gebäudeensembles. Die häufig vorkommenden Windkraftanlagen sind von weitem sichtbar und schmälern den Eindruck einer horizontalen Landschaft. Eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft kann die Reste der historischen Flurformen gefährden.
Einige historische Strukturen, besonders Warftenreihen, Dorfwarften und mittelalterliche Deichlinien sind noch sichtbar bzw. beeinflussen wesentlich das heutige Landschaftsbild. Typische Dorfformen, Köge und Flurformen werden durch den Regionalplan als schützenswert eingestuft. Grundsätze der Raumplanung beinhalten Möglichkeiten, mit Hilfe derer das Landschafts- und Kulturerbe gefördert und genutzt werden kann, wie z.B. zur Stärkung einer regionalen Identität oder eines umweltverträglichen Tourismus. Die Förderung von Langzeiturlaubern und von Erholungstourismus, besonders bei Wesselburen, kann bestehende historische Landschaftsmerkmale und Ensembles fördern und erhalten. Die historische Landschaft des Friedrichskoogs kann in ein Konzept für umweltverträglichen Tourismus im Speicherkoog integriert werden. Unbefestigte landwirtschaftliche Wege könnten in ein Netzwerk für Radwege eingepasst werden.
Allgemeine Literatur:
Arnold, Drenkhahn, Meier (Hg.). Frühe Siedler an der Küste. Küstenarchäologie in Dithmarschen und Steinburg. (Heide 1991)
Braun, Strehl (Hg.), Langhaus und Winkelbau. Uthlandfriesische Bauformen im 18. und 19. Jahrhundert. (Bredstedt 1989)
Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Gietzelt (Hg.), Geschichte Dithmarschens. (Heide 2000)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 1998)
Landesamt für Denkmalpflege S-H (Hg.), Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. (Neumünster 1969)
Meier, Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte des Eiderstedter und Dithmarscher Küstengebietes als Teilregionen des Nordseeküstenraumes. (1999)
Meier, Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft. (Heide 2006)
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum IV – Kreise Dithmarschen und Steinburg Fortschreibung. (Kiel 2005)
Reiß, Arnold, Bork, Kelm, Meier. Landschaftsgeschichte Dithmarschens. (Kiel 2006)
Waluga, Kierchhoff. Regionales Entwicklungskonzept Kreis Dithmarschen. Endbericht. Bremen 2001 unveröffentlicht.
Vollmer, et. al. (Hg.). Landscape and Cultural Heritage in the WaddenSea Region – Project Report. WaddenSea Ecosystem No. 12. CommonWaddenSea Secretariat. (Wilhelmshaven 2001)
Karten:
Archäologisches Landesaufnahme Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Topographisch Militärische Charte des Herzogtums Holstein (1789-1796)
Stand: 27.08.2007
Fotos © ALSH, Karten © LVermA-SH
www.lancewadplan.de













