LancewadPlan Schleswig-Holstein
Historische Landschaftscharakterisierung
Bökingharde
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Name der Landschaftseinheit: |
Bökingharde |
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Grenzen: |
Die Festlandmarschen sind begrenzt von der Lecker Geest im Osten, dem Marschgebiet der Wiedingharde nordwestlich von Niebüll, der Nordergosharde mit den Flüssen Lecker und Soholmer Au im Süden und dem Wattenmeer mit den Halligen im Westen. |
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Größe: |
Ca. 13 km von Süd nach Nord, ca. 16 km von Ost nach West. |
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Ort/Lage – Karte |
Marschgebiet südwestlich von Niebüll, Nordfriesland, Schleswig-Holstein, Deutschland |
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Namensherkunft: |
Der Name hat seinen Ursprung in der traditionellen Bezeichnung für eine mittlere dänische Verwaltungseinheit. |
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Beziehungen/ Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften: |
- Ehemalige Halligwarften mit Warften und Flurformen wie in der Nordergosharde - Haubarge wie in Eiderstedt - Moderne, geometrisch angelegte Köge wie in der Wiedingharde, Nordergosharde, Dithmarschen - Mittelalterliche Deiche - Köge, die überwiegend Naturschutz- und Wasserspeicherfunktion haben wie in der Bökingharde, Nordergosharde, Südergosharde, Nordstrand, Dithmarschen - Uthlandfriesische Häuser und Geesthardenhäuser wie in anderen Landschaften Nordfrieslands - Haubarge, Gulfhäuser wie in Eiderstedt, Norderdithmarschen - Bauten im Heimatschutzstil wie auf den Geestinseln, der Wiedingharde und in Tondern - Wehlen und Tiefs wie in anderen Marschlandschaften |
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Charakteristische Elemente und Einheiten: |
- Allein stehende Hof- und Dorfwarften auf ehemaligen Halligen mit umliegenden, mittelalterlichen Flurstrukturen und Ringdeichen Warftenreihen und Dörfer entlang des Randes von Risummoor - Deichsiedlung Holländerdeich - Ehemalige Halligkirchen mit allein stehendem Glockenturm - Große Bauernhäuser im uthlandfriesischen und Geesthardenhaus-Stil, sowie Haubarge - Höfe und Gebäude im Heimatschutzstil - Neuzeitliche, planmäßig unterteilte Köge - Einzelhöfe an zentralen Straßen in den neuzeitlichen Kögen - Bottschlotter See als Rest eines Priels |
2.1. Allgemein
Die Basis des Marschlandgebiets wird gebildet von Moränenkuppen aus der Saaleeiszeit und Sandern und tiefen Rinnen aus der Zeit der letzten Vereisung. Der nacheiszeitliche Meeresspiegelanstieg führte, nach einer ersten Zeit der Moorbildung, zur Überflutung des Gebiets. Dabei wurden diese Basis zum Teil erodiert und erhebliche Mengen an marinen Sedimenten wieder abgelagert. Diese boten einen stabilen Untergrund für die im 1. Jahrtausend vor darauf auflandenden Marschen. Südlich von Niebüll sind im Mittelalter auf einem hoch gelegenen Sanderkern Hochmoore aufgewachsen, während die südlichen und westlichen Teile des Gebietes tiefer lagen und von Mooren und Marschen bedeckt waren. Eine Sandbarriere im Westen des nordfriesischen Wattenmeeres hatte die Bucht bis ins hohe Mittelalter vor dem direkten Einfluss des Meers geschützt, bis die Nordsee das natürliche Hindernis im 12. Jahrhundert allmählich niederriss und weiter ins Inland vordrang. Die alten Marschen und Moore standen dadurch zunehmend unter Meereseinfluss, Wattgebiete entstanden, Priele vergrößerten sich und das Land wurde schließlich während der verheerenden Sturmfluten im Mittelalter und der frühen Neuzeit, v. a. während der Flut im Jahr 1362, zu einem großen Teil zerstört. Die Marschen in der westlichen Hälfte der Landschaftseinheit blieben danach nur noch in Form einzelner Halligen erhalten, während im Osten Reste von Salzmarschen unter Nordseeeinfluss vor dem Lecker Geest bestand hatten.
2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Die Bökingharde besteht aus niedrigen Marschen, die sich kaum über das mittlere Tidehochwasser erheben, sowie der etwas höher liegenden, ehemaligen Insel Risummoor. Letztere ist durch einen Ring von Siedlungen entlang ihres Randes und durch das eher städtischen Gebiet von Niebüll im Norden gekennzeichnet, während ihr Zentrum fast vollständig frei von Besiedlung bleibt. Die Flure bestehen hier aus kleinen, blockartigen Einfriedungen, die oft von Hecken oder Bäumen (Knicks) gesäumt werden. Siedlungen auf Risummoor und am Holländerdeich orientieren entlang einer Hauptstraße, während sich kleine Dörfer und allein stehende Höfe im Süden auf Warften befinden, die von Straßen und Deichresten umgeben sind, welche die ehemalige Form der Halligen nachzeichnen.
Die Felder sind kleine, unregelmäßige Parzellen, die um die Halligwarften herum entlang ehemaliger Priele mit zusätzlichen künstlichen Gräben eingeteilt wurden. Köge im Nordwesten sind großzügiger angelegt mit rechtwinkligen, großflächigen Feldern und einzeln stehenden Höfen auf niedrigen Warften entlang eines zentralen, rechtwinkligen Straßennetzes. Die Flurformen in den östlichen Marschen bestehen aus Gruppen von streifenartigen Fluren, die sich unregelmäßig zueinander an den windungsreichen Gräben ausrichten.
Um die Höfe und innerhalb der Dörfer, besonders häufig auf Risummoor, wurden Bäume als Windschutz angepflanzt. Als größere Bauwerke sind einige Kirchen, moderne Kornspeicher wie auch einige wenige Windkraftanlagen im Osten und bei Dagebüll zu erkennen. Die Marsch im Süden wird zumeist als Weideland genutzt, während der Ackerbau im Nordwesten die Landnutzung dominiert. Die Marsch ist durch die eingedeichten Flüsse Lecker und Soholmer Au im Süden sowie dem angrenzenden Bottschlotter See nach Süden begrenzt. Eine moderne Bundesstraße und eine Eisenbahnlinie wie auch eine Starkstromleitung durchlaufen die Landschaft im Osten. Moderne Wohngebiete liegen vor allem in der Umgebung von Niebüll und zu einem geringeren Grad in den Dörfern auf Risummoor und in Dagebüll. Die Häuser sind zumeist ein bis zwei Stockwerke hoch und häufig am traditionellen Stil angelehnt, während Gebäude in Niebüll auch höher sein können. Die großen, allein stehenden Höfe sind meist historisch.
3. Landschafts- und Besiedlungsgeschichte
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Funde aus der Nähe von Lindholm-Klockries bezeugen eine frühe, wenigstens zeitweise Besiedlung in der Jungsteinzeit und der Eisenzeit. Möglicherweise Friesen aus der Gegend der heutigen Niederlanden oder Dänen bewohnten die Gegend dauerhaft spätestens seit dem 12. Jahrhundert und wahrscheinlich schon früher. Salz wurde vermutlich aus dem Torf in der Umgebung von Dagebüll gewonnen, wo ein zeitweiliger Meereseinbruch die Entwicklung von Salztorf entlang einer Linie von Hooge bis in die Bökingharde verursacht hat. Die Ausdehnung der Besiedlung auf den alten Marschen ist unbekannt, da die Landschaft von Sturmfluten, besonders des 14. Jahrhunderts, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der steigende Meeresspiegel hat jedoch vermutlich auch vorhandene Siedlungen zu einem Rückzug auf den höher gelegenen Geestkern von Risummoor gezwungen, dessen Hochmoore jedoch schon vorher kultiviert und landwirtschaftlich nutzbar gemacht wurden. Niebüll ist eine der späteren Ortgründungen. Risummoor und einige Salzmarscheninseln, wie Fahretoft, blieben, von Watt und Prielen umgeben, erhalten.

Der Bottschlotter See ist der Rest eines ehemaligen Priels.
Um angrenzende Marschgebiete als Weideland zu nutzen, wurden Dörfer und Höfe entlang des Randes von Risummoor gebaut. Es handelt sich dabei um eine Struktur, die typisch in der Region für viele mittelalterliche Siedlungen am Übergang von der Geest zur Marsch ist. Sie geht in diesem Fall einher mit der Errichtung von Warften, bedingt durch die vergleichsweise niedrige Höhe Risummoors und dem weiter steigenden Sturmflutpegel zu der Zeit. Dadurch zeigen sich die Umrisse der Insel immer noch anhand von Dörfern wie Maasbüll, Risum-Lindholm und Klockries. Die Verbindung von Risummoor zum nahe gelegenen Festland wurde erst im späten 15. Jahrhundert mit dem Klixbüller und Großen Kohldammer Koog wieder geschlossen. Frühere Ringdeiche, die anfangs Teile Risummoors schützten, wurden im 16. Jahrhundert zu einem umlaufenden Deich zusammengefasst. Die Insel wurde nun zum Kornkoog. Nachdem auch der Deich des Gotteskoogs den Wiedingharder Alten Koog im Nordwesten mit dem Festland verband und man den neue Kornkoog dabei teilweise mit einbezog, verstärkte sich der Einfluss des Meeres, das nun am freien Strom gehindert wurde.
Im Gegensatz dazu, existierte im Westen zwischen der ehemaligen Insel des Wiedingharder Alten Koogs und der Hallig Oland eine Vielzahl größerer Halligen wie Dagebüll, Fahretoft und Waygaard, die z. T. bis ins 18. Jahrhundert ungeschützt blieben. Vergleichbar mit den noch heute existierenden Halligen wie Hooge und Gröde ist die Errichtung der Höfe und Hofgruppen auf schützenden Warften, die von Salzmarschen umgeben waren. Andere, weiter südlich gelegene Kleinhalligen lassen sich noch in Namen wie Hasenhallig oder Schäferhallig erahnen. Die frühneuzeitliche Flurform mit unregelmäßig geformten Feldern um die Warften herum, die sich an alten Prielverläufen orientierten, ist immer noch sehr gut bei Fahretoft und Süderwaygaard erhalten.
Zu den ältesten noch existierenden Gebäuden gehört der romanische Kirchenbau in Deezbüll aus dem 13. Jahrhundert, der in späteren Jahrhunderten vergrößert und renoviert wurde. Als Zeugnis damaliger Gerichtsbarkeit steht immer noch der Galgenberg in Risum-Lindholm. Neue Köge südlich vom Kornkoog und der Lecker Au wurden im 15. und 16. Jahrhundert eingedeicht, wie z.B. der Störterwerker Koog, und verschoben die Deichlinie weiter westwärts. Das benachbarte Waygaard war die erste Hallig, die von einem Deich umgeben wurde.

Die ehemalige Hallig Fahretoft (links) und das Dorf Holländerdeich, das auf einem alten Deichstück liegt.
3.2. Frühe Neuzeit
Das Ende der offenen Halliglandschaft der Bökingharde begann erst im 17. Jahrhundert, als ein holländischer Investor versuchte, die Deichlinien zwischen Waygaard und der Wiedingharde mit einem Damm zu schließen. Dieser teilte die Hallig Fahretoft in zwei Hälften und dämmte dabei den tiefen Priel des Bottschlotter Tiefs ab. Der Versuch misslang, die schwere Flut von 1634 zerstörte den Großteil des Deiches und nur Teile überstanden die Katastrophe als sog. Holländerdeich. Mit einem neuen Eindeichungsprojekt, das Fahretoft und Maasbüll auf Risummoor mit dem sog. Moordeich verbinden sollte, gelang es schließlich, den Priel abzudämmen, von dem sich einige Reste als Bottschlotter See innerhalb des Koogs erhalten haben. Fahretoft wurde nur einige Jahre später mit Deichen geschützt und im 18. Jahrhundert konnte Dagebüll endlich mit dem Festland verbunden werden.

Die Backsteinkirche von Dagebüll mit Barocker Innenausstattung.
Zu dieser Zeit wurde neues Land vor dem Kornkoog, dem Gotteskoog und dem Wiedingharder Alten Koog im Nordwesten eingedeicht, was diesen Kögen zusätzlichen Schutz durch eine weitere Deichlinie verschaffte. Diese neuen Köge, wie der Kleiseerkoog und der Alte Christian-Albrechts-Koog wurden systematisch geplant, da die Landgewinnung zunehmend von privaten Investoren bzw. dem Adel als sog. Oktroy finanziert wurde, indem der Herzog als Landesherr die Rechte an der Eindeichung veräußerte. Die innere Fluraufteilung bestand daher aus Streifenfluren, die sich zu den auf niedrigen Warften stehenden Höfen orientieren, die wiederum entlang von zentralen Straßen aufgereiht waren. Vor allem der Alte Christian-Albrechts-Koog, der älteste dieser Köge, bewahrt immer noch einen Teil dieser Strukturen mit weniger rechtwinkligen Feldgrenzen und vielen alten Höfen, die typischerweise von Graften, Gräben von der Kleigewinnung, umgeben sind.
Das Friedhofsportal von Niebüll aus dem 18. Jahrhundert.
Das fruchtbare neue Marschland brachte den Bauern Wohlstand, der sich in einem Überfluss an großen Höfen im uthlandfriesischen Stil niederschlägt. Die Höfe wurden gewöhnlich zu vierseitigen Bauten um einen Innenhof, wie z.B. der Hof Gottesberg im Kleiseer Koog, oder zu winkeligen Anlagen erweitert, die dadurch an Zahlen erinnerten („in die Fünf“, „in die Sieben“ gebaut). Der Nahnshof im Neuen Christian-Albrechts-Koog beherbergt heute ein Wellnesshotel. Zu der Zeit kamen neue Siedler aus Holland, deren Fachwissen für den Deichbau benötigt wurde, führten technisch fortschrittliche Windmühlen ein und brachten neue Baustile mit, die sonst erst wieder in Eiderstedt zu finden sind. Haubarg, Gulfhaus und Bargscheune, wurden auf zentralen, massiven Pfosten errichtet, wie z.B. der Königsteiner Haubarg. Neue einfache Backsteinkirchen mit barocker Einrichtung ersetzen die ehemaligen kleinen Halligkirchen, wie in Dagebüll oder Fahretoft. Die damals immer noch ungeschützte Hallig Galmsbüll musste schließlich verlassen werden und eine neue Kirche wurde erst am Ende des 19. Jahrhunderts weiter im Inland im neogotischen Stil errichtet. Die Eindeichung des Marienkoogs 1798 beendete das historische Vorrücken der Küstenlinie der Bökingharde, die eine zerklüftete Fläche von sich ständig veränderndem Watt, Marschinseln und Prielen zu einem Teil der Festlandmarschen verwandelt hatte.

Der Vierseithof Gottesberg, ein großes Bauernhaus im uthlandfriesischen Stil.
3.3 Neuzeit
Große Teile der alten, niedrig liegenden Köge, wie der Störtewerker Koog, Herrenkoog und Klixbüller Koog, wurden regelmäßig im Winter von Binnenwasser überschwemmt, obwohl sie von direktem Meereseinfluss getrennt waren. Häufige Sturmfluten während der kalten Jahreszeit und das Versanden der Kanäle außerhalb des Deiches behinderten eine ausreichende Drainage des Wassers von der Geest. Der Lauf der Soholmer Au wurde infolgedessen durch den Bau des Bongsieler Kanals im 19. Jahrhundert begradigt und eingedeicht. Die Mäander des alten Flussbettes sind heute noch im Verlauf einiger Gräben erhalten. Eine große Anzahl von Windmühlen musste das angrenzende Land entwässern. Die Lecker Au wurde schließlich auch eingedeicht und über einen begradigten Kanal durch den Störtewerker Koog geleitet. Die Drainagesituation blieb dennoch eher dürftig. Sogar die Nutzung des Bottschlotter Sees als Vorfluter konnte die Situation bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nachhaltig verbessern.
Der Ort Niebüll am Rande der ehemaligen Insel Risummoor, der damals schon eine zentrale Funktion für die Region hatte, entwickelte sich seit der Anbindung an die Eisenbahn am Ende des 19. Jahrhunderts und v. a. nach dem Bau des Eisenbahndamms zur Insel Sylt zunehmend zu einem städtischen Zentrum. Nur wenige Bauwerke aus früheren Zeiten haben sich in Niebüll erhalten: Dazu gehören die strenge, barocke Backsteinkirche aus dem 18. Jahrhundert, zwei Friedhofsportale aus derselben Zeit und das Pfarrhaus zusammen mit einem Ensemble Warfthäuser, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deezbüll, einem Dorf, das heute zu Niebüll gehört.
Im Zuge eines nationalsozialistischen Programms zur Neulandgewinnung wurden zum ersten Mal seit über 100 Jahren zwei kleine Köge gewonnen. Der Galmsbüllkoog und der Osewoldter Koog zeigen ein rechtwinklig strukturiertes Flursystem, das, zusammen mit am traditionellen Stil angelehnten Höfen, entlang einer Hauptstraße ausgerichtet wurde. Der Hauke-Haien-Koog wurde hauptsächlich aus Gründen des Küstenschutzes als letzter Koog 1959 eingedeicht und ist zweigeteilt. Die östliche Hälfte wird von einigen neu gebauten Höfen landwirtschaftlich genutzt, während der seewärtige Teil Naturschutzgebiet und Süßwasserspeicher ist. Der neue Hafen Schlüttsiel auf dem Seedeich des Koogs, wo der Bongsieler Kanal in das Wattenmeer fließt, dient heute als Verbindung zu den Halligen und als Hafen für Fischkutter. Die oft überschwemmten, niedrig liegenden Binnenköge werden mit großem Erfolg seit den 1930er Jahren entwässert, besonders aber seit der Hauke-Haien-Koog als Vorfluter dient.
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Das begradigte und eingedeichte Bett der Soholmer Au.
Höfe errichtete man seitdem, etwa im Störtewerker Koog, systematisch neu, um nach dem Krieg auch dieses Land verstärkt landwirtschaftlich und zur Deckung des gestiegenen Lebensmittelbedarfs zu nutzen, was diesen alten Kögen ein sehr modernes Erscheinungsbild gibt. Gleichermaßen haben seit den 1960er Jahren das Programm Nord und die moderne industrialisierte Landwirtschaft das Aussehen der traditionell kleinmaßstäblichen Felder und Weiden in vielen Teilen der Marschen erheblich hin zu größeren, einheitlicheren Strukturen veränderte. Gräben wurden entweder begradigt oder zugeschüttet, da die moderne, intensive Landnutzung größere Felder mit graden Grenzen benötigte. Viele Höfe, die nun größere Ländereien zu bewirtschaften hatten, brauchten neue Wirtschaftsgebäude, was zu Ensembles von großen modernen Scheunen und Ställen und alten historischen Gebäuden führte. Andere Höfe wurden verlassen oder in Apartments für die Touristen umgewandelt. Diese Entwicklung setzt sich bis heute fort.
Gewerbe- und Wohngebiete haben sich in den letzten Jahrzehnten über das historische Stadtgebiet Niebülls bis in die Marsch des Gotteskoogs und in den Kornkoog hinein ausgebreitet. Viele neue Häuser wurden auch in Dagebüll als dem größten Hafen zu den Inseln errichtet. Zusammen mit dem modernen Fährhafen verschleiert dies stark Dagebülls Ursprung als Hallig.
4. Aktuelle Entwicklung und Planung
4.1. Landnutzung
Seit den 1960er Jahren hat sich das Aussehen der traditionell kleinen Felder und Fennen in vielen Teilen dieser Marschregion stark hin zu einheitlich aussehende Strukturen mit wenigen, begradigten Gräben verändert. Moderne landwirtschaftliche Gebäude orientieren sich nicht an historischen Strukturen und Bauformen. Viele Höfe wurden aufgegeben oder in Apartments für Touristen umgewandelt. Der westliche Teil des Hauke-Haien-Koogs ist ein Naturschutzgebiet und Rückhaltebecken für Binnenwasser.
4.2 Siedlungsentwicklung
Niebüll hat sich in den letzten Jahrzehnten stark über sein ursprüngliches Stadtgebiet in bislang auch traditionell unbewohnte Gebiete wie den Gotteskoog ausgebreitet. Ähnliches gilt für Dagebüll. Die gesamte Landschaft der Bökingharde wird als Tourismus- und Erholungsgebiet angesehen. Die Neufassung des Regionalplans schränkt daher die weitere Planung für touristische Gebäude und Infrastruktur ein. In naher Zukunft ist ein weiteres Wachstum von Neubaugebieten bei Niebüll als Zentrum der regionalen Entwicklung wahrscheinlich bevor die Bevölkerungsanzahl auf lange Sicht hin abnimmt.
4.3 Industrie und Energie
Windkraftanlagen wurden während der letzten Jahrzehnte v.a. in den frühneuzeitlichen und modernen Kögen errichtet. Diese Gebiete sind immer noch Eignungsgebiete für Windkraftanlagen, während der Hauke-Haien-Koog, Langenhorner Koog und Störtewerker Koog wie auch die Niederungen entlang der Soholmer Au von Windkraftanlagen freigehalten werden müssen.
4.4 Infrastruktur
Die Straßen beruhen meist auf historischen Wegen und Verbindungen zwischen Siedlungen und wurden oft auf ehemaligen Deichen angelegt. Der Hafen von Dagebüll ist der Haupthafen zu den Geestinseln. Eine Schmalspurbahn verbindet die Halligen Langeness und Oland mit Dagebüll, kann jedoch nur während der Ebbe genutzt werden.
5. Gesetzliche Aspekte und Raumplanung
Die gesamte Landschaft ist Ordnungsraum für Tourismus und Erholung. Teile der Landschaft werden vom Landschaftsrahmenplan als charakteristisch und typisch für die Gegend betrachtet, wie der Störterwerker und Langenhorner Koog sowie die Niederungen entlang der Soholmer Au. Der Hauke-Haien-Koog, Marschen bei Fahretoft, Langenhorn sowie der Bottschlotter See erfüllen die Anforderungen für ein Naturschutzgebiet. Die Gegend um Fahretoft, Langenholm und Ockholm ist für den Landschaftsschutz geeignet. Die Stadt Niebüll ist bereits Schwerpunktgebiet für den Baudenkmalschutz. Einige Gewässer, die durch Deichbrüche entstanden sind, sind als Geotope gelistet. Trotzdem ist es nicht geplant, neue Schutzgebiete in Nordfriesland auszuweisen. Naturschutz zielt stattdessen ab auf eine weitere Integration der Landwirtschaft und eine Förderung extensiver Viehzucht sowie des Vertragsnaturschutzes, wie er bereits im Hauke-Haien-Koog eingeführt wurde. Weiterhin wird empfohlen, die Anzahl der sog. landschaftstypischen Elemente zu erhöhen und die bestehenden in das Netzwerk aus Biotopen und Schutzgebieten zu integrieren, wie z.B. das Bottschlotter Tief. Der Landschaftsplan unterstützt die Integration historischer Siedlungsstrukturen in die Planung und das Tourismuskonzept für Nordfriesland fördert eine nachhaltige Entwicklung auf diesem Sektor. Eine Verbesserung von landschaftsbezogenem Tourismus zusammen mit Reiten, Rad fahren und Wandern wird vom Landschaftsplan empfohlen.
Die Landwirtschaft hat immer noch die regionaltypisch große wirtschaftliche Bedeutung mit einem Schwerpunkt auf Milchproduktion und dem Anbau von Futtermitteln. Die Höfe sind recht groß und haben keine Spezialisierungen, die hilfreich für den Erhalt der historisch kleinteiligen Feldstrukturen wäre. Niebüll leidet als Tor nach Sylt unter dem saisonalen Autoverkehr, der v. a. durch Tagesbesucher verursacht wird. Der Hafen von Dagebüll hat sich in einen Fährhafen mit großflächigen Parkplätzen und modernen Einrichtungen und Gebäuden verwandelt, die keinen optischen Bezug zu traditionellen Hafenstrukturen mehr aufweisen. Diese modernen Gebäude sowie die neuen Wohngebiete verbergen den Ursprung Dagebülls als Hallig. Weitere Pläne für eine Flurbereinigung, v. a. neue Wirtschaftswege und Flächenvergrößerungen, können den Landschaftscharakter auf negative Weise beeinflussen. Die Schaffung von natürlichen Lebensräumen durch TEN (Transnational Ecological Network) könnte Strukturen von ihrem ursprünglichen, künstlichen Charakter entfremden.
Die ursprüngliche Dorfstruktur ist, bis auf Niebüll, zu großen Teilen intakt. Die Landschaft ist v. a. zum Rad fahren gut geeignet. Längerfristiger Erholungstourismus und besonders touristische Angebote, die sich die Landschaft zunutze machen, können durch die Integration von historisch-kulturellen Aspekten gestärkt werden, die die einzigartige Situation der zahlreichen ehemaligen Halligen, die in die Festlandmarschen integriert wurden, berücksichtigt. Viele traditionelle Höfe, die ihren ursprünglichen Nutzen verloren haben, könnten als Erholungseinrichtungen und touristisch genutzt werden.
Allgemeine Literatur:
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Bantelmann, Panten, Kuschert, Steensen. Geschichte Nordfrieslands. (Heide 1995)
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Braun, Strehl (Hg.). Langhaus und Winkelbau. Uthlandfriesische Bauformen im 18. und 19. Jahrhundert. (Bredstedt 1989)
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Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 2004)
Kunz, Panten. Die Köge Nordfrieslands. (Bredstedt 1997).
Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum V. (Kiel 2002)
Steensen (Hg.). Das große Nordfrieslandbuch. (Hamburg. 2000)
Vogel. Der nordfriesische Geestrand, die Entwicklung seiner ländlichen Siedlungen und ihrer Flurformen. (Bräist/Bredstedt 1996)
Vollmer, u. a. (Hg.). Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region – Project Report. Wadden
Karten:
Archäologisches Landesaufnahem Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Karte von H. du Plat, 1804/05
Stand: 23.08.2007













