Kulturatlas : Halligen


LancewadPlan Schleswig-Holstein
Historische Landschaftscharakterisierung
Halligen

 Karten

1. Überblick
2. Geologie und Geographie
3. Landschafts- und Besiedlungsgeschichte
4. Aktuelle Entwicklung und Planung
5. Gesetzliche Aspekte und Raumplanung
6. Anfälligkeiten
7. Möglichkeiten
8. Quellen

1. Überblick

Name der Landschaftseinheit:
 
Halligen
Grenzen:
Marschinseln im Wattenmeer von Nordfriesland, benachbarte Landschaftseinheiten sind Pellworm, Nordstrand, Amrum und Föhr sowie die Südergosharde, Nordergosharde und Bökingharde,.
 
Größe:
Die noch bestehenden Inseln variieren von 7 ha (Habel) bis 956 ha (Langeness). Die gesamte Marschfläche der Halligen ist ca, 2.274 ha groß und verteilt sich über ein Wattgebiet von ungefähr 20 x 30 km, worin auch die Landschaftseinheit Pellworm eingeschlossen ist.
 
Ort/Lage – Karte
Wattenmeerregion von Nordfriesland, Schleswig-Holstein, Deutschland
 
Namensherkunft:
„Hallig“ kommt vom friesischen Name für Salzmarsch und später für unbedeichte Marschinseln. Die Herkunft der Namen einzelner Halligen ist unterschiedlich, wie Hooge von „hohes Land“, Langeness von „langer Nase“ oder Oland von „altes Land“.
 
Beziehungen/Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
Warften auf Marschen gab es überall entlang der Wattenmeerküste, aber Halligen als unbedeichte und bewohnte Marschinseln gab es nur in der Bökingharde und im nördlichen Teil der Nordergosharde (Ockholm, Galmsbüll, Fahretoft etc.).
 
Charakteristische Elemente und Einheiten:
 
Mittelalterliche und frühneuzeitliche Siedlungsspuren im angrenzenden Watt
Frühneuzeitliche und neuzeitliche Warften mit Fethingen und Ringdeichen
Sommerdeiche um Halligen
naturnahe Prielsysteme
 

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2. Geologie und Geographie
2.1 Allgemein

Die seit dem Ende der Eiszeit vordringende Nordsee erodierte die Moränenkerne der früheren Saaleeiszeit und die Sanderflächen aus der Zeit der letzten Vereisung. Das Gebiet des heutigen nordfriesischen Wattenmeeres wurde in der Folge mit marinen bedeckt, die sich im Laufe des 1. Jahrtausends vor Chr. und des beginnenden 2. Jahrtausends nach Chr. zu den ersten Marschen aufhöhten. Ein wiederholter Rückgang des Meeresspiegels führte zu großflächigen Vermoorungen in den östlichen Bereichen, die bei den erneuten Meeresvorstößen wieder von Sedimenten überlagert wurden. Die Torflagen unter der mittelalterlichen Marschoberfläche erreichten eine Dicke von mehreren Dutzenden Zentimetern im Westen bis zu einigen Metern im Osten. Im Früh- und Hochmittelalter war das Gebiet wieder von weitflächigen Marschen und Mooren bedeckt. Eine Barriere aus Sandbänken und Inseln im Westen schützte dieses Land von der offenen Nordsee. Große Teile der Torfschichten wurden durch den Menschen im Verlauf des Mittelalters entfernt. Nur die Salzmarsch von Nordstrandischmoor ruht noch heute auf Resten des alten Moors. Der Schutzwall im Westen wurde seit dem 11. Jahrhundert zunehmend von der Nordsee erodiert. Das Meer drang dadurch wieder verstärkt in das Gebiet des heutigen Wattenmeeres ein und eine durch Priele zerrissene Landschaft aus Salzmarschen und Wattflächen entstand. Große, inselartige Marschen, die große Teile dieses Landes bedeckten, waren seit dem Ende des 12. Jahrhunderts bekannt als Insel Strand. Diese wurden während und nach einer katastrophalen Sturmflut im Jahre 1362, bekannt als die „Große Mandränke“, noch stärker zergliedert. Auf den übrig gebliebenen Resten der älteren Marschen bildeten über die Jahrhunderte in Prozessen kontinuierlicher Auflandung neuer Marschen und durch Erosion der alten Uferlinien die heutigen Halligoberflächen. Die Reste der eiszeitlichen Oberfläche bilden unter den Halligen und den Marschinseln eine höhere und stabilere Basis als unter den benachbarten Wattflächen und Prielen.

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2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Heutzutage zerteilen die großen Wattströme von Norderaue, Süderaue, Norderhever und des Heverstroms zusammen mit unzähligen kleinen Prielen die weiten Wattflächen, auf denen verstreut die Salzmarschen-Inseln der Halligen und die eingedeichte Marschinsel Pellworm liegen. Die größten Priele schneiden mehr als 20 Meter tief bis in den eiszeitlichen Grund, während die Marschen sich bis zu zwei Meter über das mittlere Tidehochwasser erheben. Die flache Landschaft der Halligen wird überragt durch die mit Häusern und einigen schützenden Bäumen bestandenen Warften, die schon von weitem gesehen werden können. Kleinere Priele und viele künstliche Kanäle zerteilen die Oberflächen. Moderne asphaltierte und geradlinige Straßen verbinden die Warften. Kleinere Häfen am Ufer sorgen für eine Verbindung zum Festland. Heutzutage sind die Halligen gegen weitere Erosionen durch Steinverstärkungen entlang des Ufers geschützt. Jedoch werden sie immer noch häufig und regelmäßig von Sturmfluten überschwemmt. Dämme verbinden Nordstrandischmoor, die Hamburger Hallig, Oland und Langeness mit dem Festland. Habel, Südfall und Norderoog sind nicht mehr bewohnt und Teil des Nationalparks Wattenmeer. Ihre Oberfläche ist unebener und viel stärker von Prielen durchzogen als die der bewohnten Halligen. Die neu gewonnenen Marschen, v.a. auf der Westseite Olands, unterscheiden sich besonders von den unregelmäßig gegliederten alten Marschen durch ihre geordneten Grabenstrukturen, die das Neuland in rechteckige Felder teilen, welche wiederum von parallelen Grüppen durchzogen werden. Die gesamte Hamburger Hallig hat ein ähnliches Aussehen.

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3. Landschafts- und Besiedlungsgeschichte
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter

Funde belegen die erste menschliche Begehung in der Region für die Jungsteinzeit um 2300 v.Chr. Eine kontinuierliche Besiedlung kann jedoch erst ab der Wikingerzeit angenommen werden. Spuren einer Besiedlung westlich von Hooge werden frühestens in das 8. Jahrhundert datiert. Das nordfriesische Wattenmeer bestand zu dieser Zeit aus großen Flächen von Marschen und Mooren, die vom direkten Einfluss der Nordsee durch Sandbarrieren weiter westlich der heutigen Sandbänke abgeschnitten waren. Jedoch muss ein zeitweiliger Meereseinbruch die Entwicklung von Salztorf entlang einer Linie verursacht haben, die von Hooge über Nordmarsch-Langeness und Oland bis in die Bökingharde hinein reicht. Spuren des Salztorfabbaus kann man noch heute entlang dieses Streifens als Gräben im Watt sehen. Andere, parallele Gräben in den Wattflächen und unter den Halligoberflächen bezeugen die damals übliche Praxis, Torf zu stechen, um an den darunter liegenden, fruchtbaren Klei zu kommen. Der Torf wurde danach in die Gräben entsorgt.
Das Land teilte man durch niedrige Dämme in rechteckige Flächen ein, in denen die Hofwarften verteilt lagen. Andere Warften waren größer oder entstanden durch die Vereinigung einiger vereinzelter Warften zu Großwarften. Vor allem das Watt nördlich von Habel trug zahlreiche Spuren dieser hochmittelalterlichen Landschaft. Diese Warften wurden vom späten 12. Jahrhundert an als eine Reaktion auf den ansteigenden Einfluss der Nordsee errichtet, da die schützenden Sandbarrieren im Westen zunehmend erodierten. Diese Siedlungen orientierten sich vermutlich entlang der erhöhten Uferwälle von Prielen, was heute den Eindruck einer eher zufälligen Verteilung entstehen lässt. Erst zu dieser Zeit wurden die tieferen Marschen des legendären Rungholt südwestlich von Südfall besiedelt. Das weitreichende Marschgebiet war bereits durch Priele in inselartige Marschflächen zerschnitten. Die größte dieser Inseln wurde als „Strand“ überliefert Sie umfasste den wohl größten Teil der Fläche des Wattenmeeres, auf der die heutigen Halligen und Marschinseln liegen, während die Lage anderer Inseln unbekannt bleibt.
Die ersten Eindeichungen zum Schutz des Landes gegen die ansteigende See können ebenfalls in das 12. Jahrhundert datiert werden. Dies zeigt, dass die frühen Warften in dem Gebiet bereits von Deichen geschützt wurden. Als 1362 die katastrophale Flut der „Großen Manddränke“ über Nordfriesland hereinbrach, zerstörte sie die Warftensiedlung von Rungholt und große Teile des eingedeichten Marschlandes und hinterließ eine Vielzahl von frühen Halligen als Reste der alten Marschen.
Anschließend wurden die Salzmarschen der Halligen auf den Resten des zerstörten Kulturlands durch marine Sedimente von den regelmäßigen Überschwemmungen der Sturmfluten weiter erhöht. Andere Bereiche, wie die Insel des sog. „Alt-Nordstrand“ oder „Strand“, wurden wieder eingedeicht. Auf den Halligen aber erforderte der stete Verlust an ungeschützter Marsch,, dass die Warften weiter landeinwärts wieder errichtet werden mussten. Viele der Hofgruppen auf den Halligen wanderten dadurch geradezu mit jeder neu errichten Warft, während der Vorgänger den Wellen überlassen wurde. Dieser Prozess kann noch nachvollzogen werden, da sich bis heute Reste der Vorgänger von einigen der existierenden Warften im nahe liegenden Watt zeigen.
Die Landnutzung ist damals wie heute aufgrund der wiederkehrenden Überflutungen meist auf Mahd und Viehhaltung sowie auf Schafzucht begrenzt. Jedoch existieren noch nahe bei Warften wie z.B. der Hanswarft Reste einiger kleiner, wahrscheinlich mittelalterlicher Köge für den Ackerbau, wie auf Hooge und Langeness. Sie sind nun größtenteils von dem Klei, den die See über die Jahrhunderte aufspülte, bedeckt. Das Land wurde als Allmende gemeinschaftlich genutzt und musste jedes Frühjahr erneut zwischen den Bewohnern aufgeteilt werden, um den Verlust an Marschland während des Winters auszugleichen. Daher bestand keine Notwendigkeit das Land durch Gräben einzuteilen.

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3.2 Frühe Neuzeit
Die Sturmflut von 1634 markierte ein anderes wichtiges Ereignis in der Landschaftsgeschichte des Wattenmeers Nordfrieslands, als die alte Insel „Nordstrand“ zerstört wurde und nur wenige Reste der alten Marsch in den darauf folgenden Jahren wieder eingedeicht werden konnten. Abgesehen von den Marschinseln Pellworm und Nordstrand hat nur ein Rest der mittelalterlichen Moore als Hallig Nordstrandischmoor überlebt, die durch die Ablagerung von Klei weiter erhöht wurde. Der Glockenturm der Kirche, der die Katastrophe überstanden hatte, fiel später zusammen, aber der beachtenswerte Friedhof mit seinen liegenden Grabsteinen ist heute immer noch vorhanden.
Während der folgenden Jahrhunderte nahmen die kleinen Hallig-Inseln durch den konstanten Abbruch der Salzmarschen entlang der ungeschützten Ufer weiter in der Größe ab. Weitere Warften, errichtet auf den vergleichsweise hohen Halligufern, mussten aufgegeben und weiter landeinwärts wieder aufgehäuft werden. Diese Entwicklung betraf gleichermaßen die Kirchen, wie diejenige auf Gröde aus dem späten 18. Jahrhundert, welche angeblich bereits die siebente Neukonstruktion sein soll. Daher waren die Kirchen einfache Hallenkonstruktionen ohne Glockenturm. Die Glocke wurde in einem allein stehenden Gestell aufgehängt, wie man es heute z.B. noch auf Oland oder Langeness beobachten kann. Die Gehöfte baute in dem regionaltypischen, sog. uthlandfriesischen Stil, der der Gefährdung durch die Sturmfluten angepasst war. Wegen zahlreicher schwerer Sturmfluten bis in die jüngste Zeit sind nur wenige der alten Gebäude erhalten geblieben, v.a. auf Langeness. Das Haus Tadsen aus dem 18. Jahrhundert, beherbergt heute ein Museum.

Priel mit Warft im Hintergrund auf der Hamburger Hallig.
Priel mit Warft im Hintergrund auf der Hamburger Hallig.



Die ehemalige Hallig Beenshallig südlich von Gröde am Ende des 19. Jahrhunderts und die aktuelle Uferlinie in Grün zum Vergleich.
Die ehemalige Hallig Beenshallig südlich von Gröde am Ende des 19. Jahrhunderts und die aktuelle Uferlinie in Grün zum Vergleich.


Die Zahl der Halligen war noch im 18. Jahrhundert wesentlich höher als heute. Die Beenshallig südlich von Gröde zum Beispiel verschwand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Neben der schwindenden Größe haben sich auch die Umrisse der Halligen stark verändert. Am Ende des 18. Jahrhunderts wuchsen Gröde und Appelland zusammen, die zuvor zwei getrennte Inseln waren. Appelland war zu dieser Zeit bereits unbewohnt, besaß aber immer noch eine Warft. Zwei ältere Warften waren noch im Watt westlich der Neuwarft auf Gröde sichtbar. Breite Priele trennten die Halligen Nordmarsch, Langeness und Butwehl. Sie sind zwar immer noch vorhanden, aber auch viel schmaler als früher. Die Verbindung zum Festland wurde durch Boote gewährleistet. Die kleinen Anlegestellen dazu lagen an größeren Prielen, auf deren Uferwällen die Warften lagen.
Die Besiedlung war weiterhin nur auf Warften möglich. Frisches Wasser musste in Fethingen, tiefen Teichen, die in die Warft gegraben wurden, und Sooten gespeichert werden und wurde mit Hilfe von Scheetels gesammelt, umdeichten Bereichen am Warftfuß die mit den Fethingen verbunden waren. Besonders Fethinge haben die Modernisierung in größerer Anzahl überlebt. Sie sind auf der verlassenen Pohnswarft auf Hooge ebenso noch zu sehen, wie zwischen modernen Häusern auf der Ketelswarft auf Langeness, bei der auch Spuren der Scheetels erhalten geblieben sind. Ringdeichtränken stellten Trinkwasser auch außerhalb der Warfen zur Verfügung und sind immer noch an einigen Stellen, wie auf Hooge, vorhanden. Die Höfe waren durch Fußwege auf den erhöhten Ufern der Priele oder Halligen verbunden. Die zahlreichen Priele überquerte man mittels beweglicher Holzbrücken. Diese Einrichtungen sind heute völlig verschwunden.


Breiter Priel und Warften auf Hallig Hooge.
Breiter Priel und Warften auf Hallig Hooge.

Einen ansehnlichen Wohlstand erlangte einige Halligbewohner vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durch die Handelsseefahrt und den Wahlfang, während ihre Frauen auf den Halligen sich um das Vieh kümmern mussten. Einige prachtvolle Reste wie der Königspesel auf Hooge, ein reich geschmückter Raum für besondere Anlässe, berichten von dieser Zeit. Andere Bewohner verarmten, als der ständige Landverlust sie zunehmend ihres Landes beraubte, das durchaus nicht gleichmäßig unter den Inselbewohnern aufgeteilt wurde. Das Sammeln von Wildpflanzen und Vogeleiern war, neben der Fischerei und der Viehzucht, bis ins 20. Jahrhundert eine wichtige Nahrungsquelle für viele Bewohner.

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3.3 Neuzeit
Eine weitere Sturmflut kennzeichnete den Beginn der Neuzeit in der Halligenregion. Die sog. Halligflut von 1825 zerstörte 90 % der alten Höfe auf den Warften. Die Hallig Südfall, auf der alle Bewohner starben, blieb daraufhin, bis auf die kurze Periode der sog. „Hallig-Gräfin“ im frühen 20. Jahrhundert, unbewohnt. In dieser Zeit wurde zunehmend die Bedeutung der langsam schwindenden Halligen als Wellenbrecher vor den Festlandmarschen erkannt. Es dauerte jedoch bis zum Ende des Jahrhunderts, als Nordfriesland bereits zum jungen deutschen Staat gehörte, bis die Verstärkung der Halligufer mit Steinen begonnen wurde. Diese Maßnahme stoppte letztendlich den Verlust an Marschland, bedeutete aber gleichzeitig auch das Ende der charakteristischen, schrittweisen Übergangszone zwischen Watt und Marsch. Seitdem ist die Größe der Halligen in etwa unverändert geblieben. Die weiten Mündungen der Priele wurden während der darauf folgenden Jahrzehnte mit Sielen versperrt, was zur erhöhten Sedimentation in den Prielen führte. Einige von ihnen sind heute kaum mehr als gewundene Gräben. Daraufhin mussten die kleinen Anlegestellen, die zuvor zu jeder Warft gehörten, durch gemeinsame Häfen ersetzt werden. Diese lagen entweder, wie auf Gröde, hinter den neuen Sielen oder, wie auf Oland, in kleinen, geschützten Buchten.
Etwa ab 1870 wurde die Hamburger Hallig und später auch Oland, Langeness und Nordstrandischmoor durch Dämme mit dem Festland verbunden, auf denen seit den 1920er Jahren Kleinbahnen fahren. Dies ermöglichte einen besseren Zugang und förderte zudem die Vorlandbildung. Die gesicherte Uferlinie beendete auch einen Prozess, der einige der Halligen langsam zusammengewachsen ließ. Langeness, Nordmarsch und Buthwehl, zuvor durch weite Priele getrennt, wurden zu einer großen Hallig vereinigt, ebenso wie Gröde und die Salzmarschen von Appelland.

Die Unterteilung von Langeness in einzelne Halligen war am Ende des 19. Jahrhunderts immer noch sichtbar.
Die Unterteilung von Langeness in einzelne Halligen war am Ende des 19. Jahrhunderts immer noch sichtbar.

Die 1930er Jahren sahen ein Ende der traditionellen jährlichen Landaufteilung unter den Bewohnern. Da die Größen der Inseln nicht mehr weiter abnahmen, erschien dieses Vorgehen nun unnötig. Viele Gräben auf Hooge wurden, um das Land aufzuteilen und schneller zu entwässern, mit Hilfe des massiven Einsatzes von Arbeitern während der frühen Jahre der nationalsozialistischen Diktatur gegraben. Auf den anderen Halligen blieben diese Strukturen selten. Hier fand der Wechsel von der Allmende zum Privatland später statt. Nur auf Gröde hat man bis heute die traditionelle Landnutzung behalten.
Maßnahmen zur Neulandgewinnung haben an einigen Stellen wie auf Oland oder Nordstrandischmoor zu neuer Marsch im Osten geführt. Dieses Land ist gekennzeichnet durch seine regelmäßigen Strukturen, die durch die Anlage von Lahnungen und Grüppen entstanden sind. Diese schachbrettartigen Anlagen aus Zäunen, die in das Watt hineinreichen, soll die Sedimentation fördern.

Schmalspurbahn, mit der Oland und Langeness seit den 1920er Jahren mit dem Festland verbunden sind.
Schmalspurbahn, mit der Oland und Langeness seit den 1920er Jahren mit dem Festland verbunden sind.

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4. Aktuelle Entwicklung und Planung
4.1 Landnutzung
Der Schwerpunkt der Landnutzung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark von der Viehzucht zum Natur- und Küstenschutz hin verlagert. Alle kleinen und unbewohnten Halligen, wie Südfall, Hamburger Hallig und Norderoog, sind Vogelschutzgebiete mit Observationswarten, die nur während der Sommersaison besetzt sind. Nur Süderoog wird für den ökologischen Landbau genutzt, obwohl es ebenfalls Teil des Nationalparks ist.
Der Rückgang der lokalen Landwirtschaft liegt vor allem an den hohen Transportkosten und dem guten Einkommen, das durch den Tourismus erwirtschaftet wird. Die extensive Weidewirtschaft war immer zum großen Teil von den Tieren des Festlands abhängig, die während des Sommers auf die Halligen zum Grasen gebracht wurden. Dies ist noch immer in unterschiedlichen Maßen üblich. Schäden, die Vögel und Sturmfluten am Weideland verursachen, werden den Bauern erstattet. Fischerei für die Selbstversorgung ist immer noch im begrenzten Rahmen möglich. Die Grundbesitzer erhalten außerdem eine Vergütung für ungenutztes Land, das für den Naturschutz zur Verfügung steht.
Während der letzten 150 Jahre hat die Bedeutung der Halligen für den Küstenschutz stetig zugenommen. Sie sind wichtig als Wellenbrecher für das Festland, um die Auswirkungen der Sturmfluten zu mildern. Daher sind viele Insulaner wenigstens zum Teil beim Land für den Küstenschutz angestellt. Sommerdeiche um die Halligen herum haben die Anzahl der jährlichen Überflutungen reduziert, z.B. aufgrund der hohen Eindeichung auf 2-3 Überschwemmungen pro Jahr auf Hooge. Seit 1976 sind die Warften vergrößert und teilweise von Ringdeichen zum Schutz vor dem ansteigenden Sturmflutpegel umgeben. Die großen Eindeichungsprojekte vor den Festlandmarschen, wie der Beltringharderkoog, haben aber für höhere Sturmfluten auf den Halligen gesorgt. Die traditionelle Erhöhung der Warften war nicht mehr möglich ohne die Demontage der Häuser. Dieser Prozess der Umdeichung von Warften ist noch nicht beendet und die Warft Mittelritt/Lorenzwarft auf Hooge ist momentan im Ausbau begriffen.
Die einzigartigen Spuren der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Besiedlung im Watt, welche in den letzten Jahrzehnten frei gespült wurden, bedeckt nun wieder die steigende Sedimentation in diesen Gebieten.

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4.2 Siedlungsentwicklung
Die Sturmflut von 1962 hat viele Häuser, v.a. auf Hooge, zerstört. Sie mussten durch neue Bauten ersetzt werden, die nun ein zentrales, tragendes Betongerüst und einen Schutzraum im Dachgeschoss haben. Eine Wasser- und Stromversorgung vom Festland erhielten die Halligen erst nach 1953. Der Bauplatz ist beschränkt auf die Warften und kann nicht ausgeweitet werden. Jene Gebäude, die nicht durch moderne ersetzt wurden, veränderte man häufig grundlegend und passte sie an neue Anforderungen an. Daher ist die aktuelle Gebäudestruktur meist durch den Tourismus und immer noch durch den Schutz vor den Sturmfluten geprägt.
Drei kleine Museen gibt es auf Langeness, während Hooge zwei Museen und zusätzlich ein Kino hat, das Eindrücke von Sturmfluten liefert. Hooge ist die touristischste der Halligen mit der höchsten täglichen Besucheranzahl, während Langeness, die größte dieser Inseln, den Schwerpunkt auf Urlauber mit längerem Aufenthalt gelegt hat.

4.3 Industrie und Energie
Windkraftanlagen sind in dieser Landschaft nicht erlaubt. Weder hat jemals eine Industrie ihren Fuß auf die Halligen gesetzt noch ist dies für die Zukunft geplant.

4.4 Infrastruktur
Der Verkehr zwischen den Halligen und dem Festland wird entweder durch Fähren, v.a. von den Häfen von Schlüttsiel und Dagebüll, oder durch Kleinbahnen gewährleistet, die über Dämme mit den Inseln verbunden sind. Die Anbindung ans Wasser ist bei den größeren Halligen wie Langeness oder Hooge aufgrund von langen Molen, die bis zu vorgelagerten Wattströmen reichen, von den Gezeiten unabhängig, während kleinere Halligen nur bei Hochwasser erreicht werden können. Neue Straßen mussten gebaut werden, um die Nutzung von Autos zu ermöglichen. Sie sind nun asphaltiert und mit festen Brücken ausgestattet. Diese Straßen verlaufen quer über die Halligen, orientieren sich nicht an den traditionellen Wegverläufen auf den Uferwällen und bleiben so während der kalten Jahreszeit oft für längere Zeit überflutet.

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5. Gesetzliche Aspekte und Raumplanung
Das Wattenmeer um die bewohnten Halligen sowie alle unbewohnten Halligen und Süderoog sind Teil des Nationalparks schleswig-holsteinisches Wattenmeer, der grundsätzlich eine Naturlandschaft ohne menschlichen Einfluss als Leitbild hat. Das Watt um die Halligen herum ist archäologisches Grabungsschutzgebiet. Die Halligen Hooge, Langeness und Oland sind Ordnungsräume für Tourismus und Erholung, was eine spezielle Koordination der touristischen Baumaßnahmen, mit dem Ziel noch freistehende Flächen auf den Warften zu erhalten, erfordert. Außerdem ist die Hamburger Hallig ein Naturschutzgebiet. Nordstrandischmoor, Gröde, Hooge, Langeness und Oland sind ebenso Gebiete von internationaler Bedeutung für den Vogelschutz nach der RAMSAR-Konvention und Natura 2000. Hooge wird zudem als geeignet für ein Landschaftsschutzgebiet eingestuft. Eine kürzliche Diskussion über die Ausweitung des Biosphärenreservats Wattenmeer auf die Halligen hat letztlich zu einem gemeinsamen Antrag der Halligbewohner auf die mögliche Ausweitung geführt, der den Widerstand und die Zurückhaltung vieler Bewohner berücksichtigt hat. Das Leitbild des Landschaftsrahmenplans für die Halligen richtet sich v.a. auf die natürlichen Aspekte der Landschaft, bezeichnet sie aber andererseits als Kulturlandschaft.

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6. Anfälligkeiten
Ein Großteil der einzigartigen historischen Situation der Halligen mit ihren sich verschiebenden und weichen Übergängen zwischen Marsch und Watt, ebenso wie ihre großen Priele und große Teile der traditionellen Kultur, ist durch die Modernisierung und den Küstenschutz, v.a. während der letzten Jahrzehnte, verloren gegangen. So verschwand erst kürzlich auf Hooge eines der wenigen noch vorhandenen Frischwassersammelsysteme, ein sog. Scheetels, durch die Vergrößerung einer Warft. Immer noch gefährdet sind kulturlandschaftliche Elemente, die in einem Wettstreit um den begrenzten Platz auf den Warften mit den Gebäuden und der Infrastruktur stehen. Diese Konkurrenz entstand durch den steigenden Schwerpunkt auf Tourismus, der die Landschaft durch Infrastrukturmaßnahmen, v.a. auf Hooge, verändert hat. Diese tourismusorientierten Aktivitäten, auch wenn sie kulturelle Aspekte integrieren, sind nicht immer ausreichend mit entsprechenden Experten abgestimmt. Das Kulturerbe hat auf den Halligen immer noch eine relativ geringe Priorität und steht damit im Gegensatz zu seiner Bedeutung für den Tourismus. Ein interessantes Projekt, das etwa Vorschläge für eine Anpassung der modernen Gebäude an die traditionellen Stile mit nur geringem Aufwand vorsah, wurde in den 1980er Jahren leider verworfen. Der steigende Tagestourismus kann Besucher, die nach Ruhe suchen, abschrecken. Historische Landschaftselemente innerhalb des Gebiets des Nationalparks Wattenmeer können durch Maßnahmen, die eine rein natürliche Umwelt anstreben und Spuren menschlichen Einflusses tilgen wollen, gefährdet sein.

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7. Möglichkeiten
Die Halligen mit ihren wiederholt überfluteten Salzmarschen sind immer noch ein Gebiet mit einer einzigartigen und beeindruckenden Kulturlandschaft. Diese stellt auch touristisch einen besonderen Wert dar. Der schwierige Zugang über das Wasser, über Dämme oder manchmal auch über das Watt wird zum positiven Aspekt für diejenigen Besucher, die in der Abgeschiedenheit Erholung und Entspannung suchen. Daher haben v.a. die kleineren Halligen einen hohen Anteil an Stammgästen an den Besuchern. Der dadurch schon in Teilen nachhaltige und integrierte Tourismus sollte insgesamt weiter in diese Richtung gestärkt werden, da die Kapazitätsgrenzen für das Wachstum in Bezug auf die Natur und die historische Kulturlandschaft z. T. bereits erreicht sind. Entsprechende Konzepte, die die kulturhistorischen Vorzüge der Gegend als einen Teil hochwertiger Tourismusangebote berücksichtigen, sind daher notwendig, wie eine Studie von 2004 unterstreicht. Der Gebrauch lokaler Erzeugnisse, v.a. in der Gastronomie, und ihre Vermarktung birgt noch weiteres Wachstumspotential und kann traditionelle Formen der Landnutzung, die wiederum wichtig für die lokale Landschaft sind, stärken. Die Hallig-Stiftung wurde 1990 gegründet, um das lokale Kulturerbe zu fördern und sie ist daher auch für integrierte Konzepte wichtig. Die Idee zu einem politischen Interessenverband, um die lokale Entwicklung zu koordinieren, kann ebenfalls diesen Prozess vorantreiben. Neben Naturpfaden kann ein Kulturpfad ebenfalls bedeutend zu der Wahrnehmung der Landschaft beitragen. Die Zusammenarbeit mit Experten ist in diesen Bereichen empfehlenswert.

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8. Quellen

Allgemeine Literatur:
Augsburg, Eisenstein, Triphaus. Weiterentwicklung der touristischen Organisationsstrukturen der Nordfriesischen Halligen (Studien im Auftrag der Stiftung Nordfriesische Halligen) (2004)
Bantelmann, Landschaft und Besiedlung Nordfrieslands in vorgeschichtlicher Zeit. (Husum 1992)
Bantelmann, Panten, Kuschert, Steensen. Geschichte Nordfrieslands. (Heide 1995)
Bantelmann. Nordfriesland in vorgeschichtlicher Zeit. (Bräist/Bredstedt 2003)
Beseler, Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. (Neumünster 1969)
Braun, Strehl (Hg.), Langhaus und Winkelbau. Uthlandfriesische Bauformen im 18. und 19. Jahrhundert. (Bredstedt 1989)
Fahrenkrug et. al. Regionales Entwicklungskonzept Nordfriesland (unveröffentlicht, 2003)
Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Gottburgsen, Hassenpflug. Der Gotteskoog (Bad Honnef 1991)
Harth. Der Untergang der Halligen. (Hamburg 1992)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 2004)
Kunz, Panten. Die Köge Nordfrieslands. (Bredstedt 1997).
Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum V. (Kiel 2002)
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Machbarkeitsstudie zur Entwicklung der Halliglandwirtschaft für die Halligen Gröde, Hooge, Langeneß, Nordstrandischmoor und Oland. (2002)
Müller-Wille, Higelke, etc. (Hg.). Norderhever-Projekt, Offa 66. (Neumünster 1988)
Petersen. Die Halligen. (Neumünster 1981)
Steensen. (Hg.). Das große Nordfrieslandbuch. (Hamburg. 2000)
Vollmer, etc. (Hg.). Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region – Project Report. Wadden Sea Ecosystem No. 12. Common Wadden Sea Secretariat. (Wilhelmshaven 2001)

Karten:
Archäologisches Landesaufnahme Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Karte von H. du Plat, 1804/05

Stand: 22.08.2007

Fotos © ALSH, Karten © LVermA-SH

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