LancewadPlan Schleswig-Holstein
Historische Landschaftscharakterisierung
Kremper Marsch und Wilstermarsch
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Name der Landschaftseinheit:
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Kremper Marsch und Wilstermarsch
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Grenzen:
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Flussmarschen des Kreises Steinburg, begrenzt durch die Landschaft Süderdithmarschen mit dem Nord-Ostsee-Kanal als Grenzlinie im Nordwesten und die Landschaft Haseldorfer Marsch mit der Krückau im Südosten, der Elbe im Südwesten, Geest und Moore weiter landeinwärts im Nordosten
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Größe:
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Ca. 34 km längs der Geest (Nordwest nach Südost), etwa 10-18 km breit (Nordost bis Südwest)
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Ort/Lage – Karte
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Elbmarschen des Kreises Steinburg, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Namensherkunft:
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Die Städte Wilster und Krempe gaben den umliegenden Marschen ihren Namen. Die Städte sind nach den Flüssen Wilster Au und Kremper Au benannt, an denen die Orte jeweils liegen.
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Beziehungen/Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
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- Strukturen von Marschhufensiedlungen wie in Dithmarschen und den Niederlanden
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Charakteristische Elemente und Einheiten:
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- Marschhufensiedlungen auf Reihen mittelalterlicher Warften entlang von Kanälen mit anschließenden Streifenfluren
- Unregelmäßig verlaufende, mittelalterliche Deichlinien
- Auf Prielen basierende Kanäle
- System künstlich gegrabener Wettern
- Bauernhäuser der Typen Barghus und Husmannshus
- Drainagesystem mit unabhängigen Kanälen für Süßwasser und Moorwasser
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2. Geologie und Geographie
2.1 Allgemein
Moränen der Saale-Eiszeit bilden den geologischen Untergrund der Region. Während der letzten Eiszeit schnitt die Mündung der Elbe tief in den Grund ein und bedeckte ihn mit Sand und Ablagerungen, die von den Gletschern im Osten stammten. Die hohe Geest bildete das steile Ufer des weiten Elbeurstromtals. Nach dem Ende der Eiszeit entstanden, teilweise aufgrund von Staunässe durch die vorrückende Nordsee, Moore in der Nähe der damaligen Küste, während die Bereiche zum Geestrand hin aufgrund des starken Gefälles zum Elbetal länger trocken blieben. Diese Gebiete wurden nach und nach überflutet, mit Sedimenten bedeckt und dadurch aufgehöht. Parallel zur Küste hatte sich eine Dünenkette gebildet.
Als der Meeresspiegelanstieg schließlich sich dem heutigen Niveau näherte und entsprechend verlangsamte, bildeten sich Marschen als breite Uferwälle entlang der Flüsse, die die geestnahen Gebiete in der Folge von häufigen Überflutungen abschirmten. Dies begünstige die Bildung großer sumpfiger Niederungen und Moore entlang der Geestkante, die sich mit anderen Feuchtgebieten im Hinterland dort verbanden, wo die eiszeitlichen Ablagerungen am niedrigsten waren. Der Schutz durch die küstenparallelen Sandwälle der Ausgleichsküste in Süderdithmarschen förderte einen weniger kompakten und feuchten Boden in der westlichen Wilstermarsch, der nach der Trockenlegung zu schrumpfen begann. Dieser Prozess hält noch heute an und macht die Gegend zu der niedrigsten in Deutschland mit Bereichen, die bis zu fünf Meter unter dem mittleren Tidehochwasser liegen. Aufgrund dessen sind die Böden dort auch weniger fruchtbar und waren eher für die Viehzucht geeignet, während der Boden in der südöstlichen Kremper Marsch von hoher Qualität und hervorragend für den Ackerbau nutzbar ist. Die seit der Bronzezeit besiedelten hohen Uferwälle der Elbe wurden schließlich im hohen Mittelalter zunehmend durch den sich nach Norden verschiebenden Lauf des Flusses abgetragen, so dass es wieder verstärkt zur Überschwemmung der dahinter liegenden Gebiete kam.
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Weidelandschaft mit Grüppen bei Beidenfleth.
2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Die Dörfer liegen meist langgestreckt an Straßen, sind aber im Zentrum dicht bebaut. Kleinere neue Wohngebiete ergänzen an verschiedenen Stellen die Grundstruktur dieser Reihendörfer. Glückstadt, Krempe und Wilster sind von modernen Wohngebieten mit Einfamilienhäusern umgeben, während im historischen Stadtkern Stadthäuser dominieren. Eine begrenzte Anzahl von Bäumen wurde entlang von Straßen, Gräben und um Siedlungen herum als Windschutz gepflanzt. Größere, Landschaftsbild prägende Konstruktionen sind neben wenigen Kirchen und mehrstöckigen Stadthäusern, v.a. Starkstromleitungen, Windkraftanlagen und einige große Industrieanlagen wie das Kernkraftwerk in Brokdorf oder das zu Brunsbüttel gehörende Industriegebiet südlich des Nord-Ostseekanals.
Die Wilstermarsch zwischen dem Nord-Ostsee-Kanal und dem Fluss Stör sowie der Kremper Marsch zwischen Stör und Krückau liegen nur geringfügig über dem Meeresspiegel, an manchen Stellen sogar einige Meter darunter. Die Marschgebiete weisen nur ein geringes Relief auf und sind durch kurvenreiche Straßen entlang der Verläufe ehemaliger Deiche und durch unregelmäßig verlaufende Drainagekanäle strukturiert. Die Felder sind durch geradlinige, parallele Gräben in lange und schmale Flurstücke oder größere längliche Felder geteilt, die sich an den Linien der Höfe orientieren. Einige Felder entlang der Flussufer der Stör und der Krückau bestehen aus eher unregelmäßigen, kleinteiligen Flurstücken. Während ein Großteil der Marschen der Wilstermarsch als Weide genutzt wird, ist der Ackerbau in der Kremper Marsch vorherrschend. Ein großer Teil des Weidelands wird noch durch z.T. ausgeprägte Grüppen geprägt.
3. Landschafts- und Besiedlungsgeschichte
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Von erhöhten Sandhorsten wie bei Kollmar und v. a. durch Lese- und Baggerfunde aus der Elbe selbst ist eine lückenlose Besiedlung zumindest der Dünen seit dem Mesolithikum und der sich bis dahin gebildeten hohen Ufern der Elbe seit der Eisenzeit anzunehmen. Die frühen Funde liegen freilich heutzutage unter der Marschoberfläche oder im verbreiterten und vertieften Elbbett und wurden häufig durch Baggerarbeiten umverteilt.
Siedlungsbefunde sind erst für das 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. auf den nun ausreichend hohen Salzmarschen entlang der Ufer der Elbe und Stör nachzuweisen. Hier errichteten die Menschen ihre Häuser auf niedrigen Sockeln aus Klei. Sie lebten von der Viehzucht auf den umliegenden, fruchtbaren und niedrigen Marschen und von Ackerbau auf den erhöhten Uferwällen. Die weiter im Landesinneren zum Geestrand hin liegenden Gebiete waren zum großen Teil von Mooren und sumpfigen Niederungen bedeckt. Die einzelnen Hofstellen wurden später erhöht, um sie gegen den ansteigenden Meeresspiegel zu schützen. Einige dieser Warften, wie z.B. Ivenfleth oder Fiefhusen, existieren noch entlang der alten, unregelmäßigen Eindeichungen. Diese Siedlungen wurden vermutlich aufgrund der Erosion der hohen Flussufer in der Wilstermarsch im 5. Jahrhundert n. Chr. verlassen. Diese Entwicklung ist in allen Marschgegenden entlang der Wattenmeerküste Schleswig-Holsteins zu beobachten. a.jpg)
Mittelalterlicher oder frühneuzeitlicher Deich bei Borsfleth.
Die Wiederbesiedlung der Marschen setze entlang der hohen Ufer der Stör im 7. Jahrhundert in Ivenfleth ein. Die Höfe wurden zuerst noch auf ebener Erde errichtet und erst seit dem 9. Jahrhundert wieder zu Warften erhöht. Viehzucht war die wichtigste Einkommensquelle, vermutlich gefolgt vom Handel, als die Marschen Teil des fränkischen Reiches wurden. Diese neuen Besitzverhältnisse haben sichtbare Spuren in der Region, u.a. in Form einiger aus Erdwerken bestehender Burgen auf der nahen Geest, hinterlassen. Höfe wurden später auch auf sog. Inversionsrücken errichtet, Betten ehemaliger Priele, die durch feste Sedimente aufgefüllt wurden, während sich der weiche Boden der umliegenden Wilstermarsch senkte. Die hohen Uferwälle von Prielen bevorzugte man in der Kremper Marsch. Einige dieser früh- und hochmittelalterlichen Siedlungen wie Wilster oder Beidenfleth sind erhalten geblieben, wobei jedoch nur wenige Warftsiedlungen aus dieser Zeit tatsächlich bekannt sind. Viele Wasserläufe, wie die Kremper Au und der Kampritt, die das Marschland zerteilten, wurden in späteren Jahrhunderten in Drainagekanäle umgewandelt, bedingen aber durch ihre gewundenen Läufe noch den ungeraden Verlauf der heutigen Gewässer. Große Gebiete der niedrigen Marschen waren von flachen Seen, wie in Ecklack und Flethsee, bedeckt.
Der Graf von Schauenburg und der Bischof von Oldenburg warben schließlich im 12. Jahrhundert holländische Kolonisten an, um das Land zu entwässern und zu kultivieren. Die Einwanderer errichteten ein Deichsystem, das an den Flussufern in der Wilstermarsch begann und heute nur noch durch den kurvigen Verlauf einiger Straßen und Dörfer wie Dörferdeich nahe Brokdorf, Dammfleth und Krummdiek nachvollzogen werden kann. Diese Kolonien waren als Marschhufendöfer angelegt und bestanden aus Reihen von niedrigen, einzeln stehenden Hofwarften mit rechtwinkligen dazu angeordneten schmalen Feldstreifen (Hufe), die üblicherweise von beiden Seiten des Hofes ausgingen. Oftmals waren diese Höfe entlang von Deichen oder Kanälen errichtet, wie in Wetterndorf bei Nortorf. Andere, niedrige Dämme (Sietwenden), wie Landscheide westlich von Beidenfleth, und ehemalige Priele dienten als Grenzen zwischen Drainagesystemen und oftmals auch zwischen den Gemeinden. Dies führte zu einem System von unregelmäßig zueinander ausgerichteten Bannen um Hofreihen mit ihren angrenzenden Streifenfluren. Moore vor der hohen Geest wurden ebenfalls durch einzelne Dämme abgetrennt, wie z.B. beim Büttler Moordeich. 
Flursysteme in der Kremper Marsch mit mittelalterlichen Flurstreifen im Westen und moderner Flächenvergrößerung im Osten.
Eine systematische Besiedlung der Kremper Marsch mit zunehmend regelmäßigen Siedlungsstrukturen began nicht vor dem 13. Jahrhundert. Zur Drainage wurden alte Priele oder künstlich gegrabene Kanäle genutzt, deren Aushub als Baumaterial für die Warften diente. Spätere Dörfer waren entlang der Kanäle oder auf Deichen angesiedelt und sind dichter bebaut als die Hofreihen in der Wilstermarsch. Krempe und die spätere holländische Kolonie von Wilster sind typische Dörfer dieser Art: Sie wurden entlang eines Kanals gegründet und erhielten das Stadtrecht bereits im 13. Jahrhundert aufgrund ihrer Bedeutung als Häfen für die lokalen landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Ein Kloster in Ivenfleth aus derselben Zeit wurde zum großen Teil durch den sich ändernden Lauf der Stör zerstört. Die frühesten Kirchen, wie z.B. in Beidenfleth, sind in einem einfachen spätromanischen Stil errichtet. Überschwemmungen nach einer Sturmflut im 15. Jahrhundert schließlich führten zu der Konstruktion eines ersten Sperrwerks für die Wilsterau und zu neuen Drainagekanälen.
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3.2 Frühe Neuzeit
Krempe wurde im 16. Jahrhundert befestigt. Zu dieser Zeit entstanden die Renaissance-Stadthäuser von Krempe und Wilster als älteste noch stehende profane Gebäude der Gegend. Eine neue Welle von Kolonisten, ausgelöst durch die Folgen der Reformation, kam zu dieser Zeit aus den Niederlanden. Diese brachten die Molkerei als eine neue Erwerbsquelle mit. Die Landnahme im Inneren der Marschen erfuhr einen neuen Höhepunkt mit der Einführung eines komplexen Systems von geradlinigen künstlichen Kanälen, die Frischwasser von Sumpfwasser, dem sog. Schwarzwasser, trennten sowie durch die Verwendung von Windkraft betriebenen Pumpen, die eine Drainage der niedrigen Marschen v.a. in der Wilstermarsch in die höher gelegenen, eingedeichten Kanäle (Wettern) ermöglichte.
In der Wilstermarsch entstanden in dieser Zeit zwei eigenständige Typen von Bauernhäusern. Die Barghus-Konstruktion ging, wie der Haubarg in Eiderstedt, auf holländische Vorgänger (Gulfhäuser) zurück und hatte ihren Nutzungsschwerpunkt in der Viehzucht, während das Husmannshus eine Variante des niederdeutschen Hallenhauses war, die auf zwei zentralen Pfostenreihen ruhte und sich am besten für den Ackerbau eignete. Gut erhaltene Beispiele dieser Bauweisen gibt es noch heute in Beidenfleth oder Dammfleth. In der Kremper Marsch gehen historische Bauernhäuser, wie z.B. in Kollmar oder Moorhusen, auf das niederdeutsche Hallenhaus zurück.
Die großflächigen Moorgebiete in der Wilster- und der Kremper Marsch waren zu dieser Zeit noch größtenteils unkultiviert. Ein neues System der Moorkultivierung, die sog. Fehnkultur, die in den Niederlanden oder in Niedersachsen weit verbreitet war, wurde im 17. Jahrhundert in der Kremper Marsch aber nur im geringen Maße umgesetzt. Einige Dörfer im Moor im Südosten, wie Moorhusen, passen zu diesem Typus, während andere Moore zu einem späteren Zeitpunkt von der Geest aus kultiviert wurden. Die Moore westlich von Eklack erschloss man sogar erst im 18. Jahrhundert. Im Vaaler Moor existieren noch immer kleinere Moorflächen. 
Stadtanlage des heutigen Glückstadt mit einem Stadtkern, der die alte Befestigung andeutet, und modernen Wohn- und Gewerbegebieten in den Randbereichen.
Im frühen 17. Jahrhundert gründete der dänische König und Herzog von Schleswig und Holstein Christian IV. die Stadt Glückstadt vor den damaligen Außendeichen. Sie sollte als Handelsplatz in Konkurrenz zu Hamburg stehen. Die Anlage orientierte sich an Renaissancemodellen einer polygonalen Befestigung mit strahlenförmig vom zentralen Marktplatz ausgehenden Straßen. Die Barockkirche und einige andere repräsentative und bürgerliche Gebäude der Zeit haben eine katastrophale Sturmflut, den Dreißigjährigen Krieg und andere Konflikte in den darauf folgenden Jahrzehnten überstanden, die ansonsten große Teile der Stadt zerstörten. Die Befestigung in Krempe und Glückstadt wurden in der Folge geschleift. Dort haben nur die Parkanlagen wie auch der Mühlenberg als Überreste der Befestigungen den Wandel der Zeit überstanden. Sturmfluten verursachten zudem schwere Deichbrüche und überschwemmten, besonders begünstigt durch die vorausgegangene Zerstörung der ungenutzten, alten Deiche, die gesamte Marsch. Einige Marschgebiete entlang des Flusses mussten vollständig verlassen werden, wie z.B. die Gegend des heutigen Brunsbüttels während des 17. und 18. Jahrhundert. Die Marsch vor St. Margarethen steht seitdem als Vorland wieder unter Tideeinfluss.
3.3 Neuzeit
Die Wegverbindungen zwischen den Dörfern verbesserten sich während des 19. Jahrhunderts durch den Bau vieler neuer Verbindungsstraßen und durch den Ausbau der älteren Wege. Etliche Höfe in der Wilstermarsch wurden verlassen und es blieben z. T. nur einzelne Gehöfte von ganzen Hofreihen übrig. Viele der streifenartigen Flurstücke im Westen der Wilstermarsch wurden verstärkt zu größeren Flurstücken verbunden. Größere Blockflure in den anderen Gegenden entstanden durch Flurbereinigungen während des 19. Jahrhunderts. Der daraus folgende Verlust an Feldbegrenzungen hat die ursprünglich Landschaft prägende strenge Anordnung in schmale Flurstreifen stark verwischt.
Eine größere Anzahl von Fachwerkhäusern aus dem 19. Jahrhundert sind in den Städten Glückstadt, Krempe und Wilster erhalten geblieben, die nie im großen Stil durch die Industrialisierung verändert wurden. Das schöne Beispiel einer spätklassizistischen Kirche findet man etwa in Krempe. Die Kremper und Wilstermarsch wurde in der Mitte des Jahrhunderts an das Eisenbahnnetz angebunden. Es gab anfangs zwei verschiedene Gleise, von denen eines nach Glückstadt und das andere über Krempe nach Brunsbüttel führte.
Gerade der Bau des Nord-Ostsee-Kanals im Jahr 1895 hatte starke Auswirkungen auf die Wilstermarsch, von der ein Teil abgeschnitten wurde, der heute zu Süderdithmarschen gehört. Die Stadt Brunsbüttel wurde als Hafen und Eingang zum Kanal gegründet. Dieses Gebiet und v.a. die gegenüber auf Seiten der Wilstermarsch liegende Marsch entwickelte sich im 20. Jahrhundert durch die petrochemische Industrie und schließlich auch durch den Bau eines Kernkraftwerks zum größten industrielle Ballungsraum an der Wattenmeerküste von Schleswig-Holstein. Ein weiteres Kernkraftwerk entstand ein Jahrzehnt später auch im etwas weiter Elbe aufwärts gelegenen Brokdorf. a.jpg)
Ungeschütztes Vorland bei St. Margarethen mit Leuchtturm und Blick zum Kernkraftwerk Brokdorf im Hintergrund.
Neue, großflächige Wohngebiete wurden nach dem Zweiten Weltkrieg besonders um Glückstadt, Krempe und Wilster herum angelegt. Hier ließen sich zahlreiche Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten nieder. Die Verkehrsinfrastruktur verbesserte sich durch neue Bundesstraßen und eine Autobahn bei Itzehoe weiter. Diese Trassen durchqueren die Region heute allerdings ohne jeden Bezug zu historischen Strukturen. Die letzte schwere Sturmflut von 1962 veranlasst eine Verstärkung der Außendeiche und ein neuer Koog für ein Wohngebiet und einen Fährhafen im Norden Glückstadts wurde eingedeicht. Die Mündung der Stör schützte man durch ein Sperrwerk vor Sturmfluten.
4. Aktuelle Entwicklung und Planung
4.1 Landnutzung
Ein Großteil der Wilstermarsch wird wegen der geringen Bodenqualität als Weideland genutzt, während der Hauptteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Krempermarsch als Ackerland dient. Gemüse und Früchte werden v.a. in der Umgebung von Glückstadt angebaut. Nur wenige Gebiete, besonders außerhalb der Deiche entlang der Elbe, stehen unter Naturschutz oder haben einen Prioritätsstatus, wobei ein Großteil, wenn nicht die gesamte Marsch als landschaftlich wertvoll angesehen wird. Heutzutage sind viele Niederungen, ehemalige Moore und Torfstiche von der Raumplanung als geeignet zur Wiedervernässung eingestuft. Dies unterstreicht das steigende Bewusstsein für den Naturschutz in den letzten Jahrzehnten. Der Naturschutz legt heute aber verstärkt Gewicht auf die verstärkte Integration der Landwirtschaft in Form eines nachhaltigen Landschaftsmanagements durch Maßnahmen wie Flächenstilllegung und Vertragsnaturschutz. Außerdem werden spezifische Flächen für Naturschutzzwecke erworben. Für den Küstenschutz sind wenige weitere Deichverstärkungsmaßnahmen geplant.
4.2 Siedlungsentwicklung
Die Landschaft wird durch die zwei größeren Städte Itzehoe und Elmshorn auf der Geest und von Brunsbüttel auf der Dithmarscher Seite des Nord-Ostsee-Kanals flankiert und gehört als ländliche Gegend zur Metropolregion Hamburgs. Ein großes Industriegebiet im Südwesten der Wilstermarsch ist Teil von Brunsbüttel und des Kreises Dithmarschen. Glückstadt, Wilster und Krempe sind Städte mit großflächigen Wohn- und Gewerbegebieten. Erweiterungen sind östlich von Krempe zu erwarten. Viele kleine neue Wohngebiete liegen in oder nahe der Dörfer und verdichten oftmals die bestehende Siedlungsstruktur. Neubaugebiete am Rand der Städte, die Zentren der Regionalentwicklung sind, werden in naher Zukunft wahrscheinlich aufgrund der immer noch steigenden Trends zur Suburbanisierung weiter anwachsen. Trotzdem ist auf lange Sicht eine sinkende Bevölkerungszahl und ein sinkender Bedarf an Wohnraum zu erwarten. Tourismus ist von geringer ökonomischer Bedeutung, ausgenommen in Glückstadt, besitzt aber Entwicklungspotential v.a. in den Bereichen Tagestourismus und Naherholung. Die Tourismusentwicklung soll mit geringen Auswirkungen auf die Landschaft geplant und ein wichtiger Schwerpunkt auf der Integration der Werte der historischen Landschaft gelegt werden.
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4.3 Industrie und Energie
Die Gegend weist zwei große Industriezentren auf: Die chemische Industrie in Brunsbüttel und ein Kernkraftwerk in Brokdorf. Windkraftgeneratoren verteilen sich in kleinen Gruppen über die Marschen und sind auf den weiteren Ausbau innerhalb ihrer Vorranggebiete eingeschränkt. Große Starkstromleitungen von den Kernkraftwerken in Brokdorf und Brunsbüttel verlaufen durch die Marschen. Ein neues Gewerbegebiet ist am Geestrand bei Lägerdorf geplant. Eine kleinere Werft existiert in Wewelsfleth.
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4.4 Infrastruktur
Eine neue Autobahn ist durch die Marsch von der A23 südlich von Itzehoe bis östlich von Glückstadt geplant, wo sie dann unter der Elbe durch einen Tunnel verlaufen soll. Umgehungsstraßen für die Bundesstraßen sind in Planung für St. Margarethen, Glückstadt und Brokdorf. Archäologische Untersuchungen entlang der möglichen Strecken sind in Vorbereitung. Gutachten, die die Kulturlandschaft und die Auswirkung auf kulturelle Belange betreffen, sind nicht vorgesehen. Der Autobahnbau wird einen nachhaltigen Einfluss auf die Landschaft ausüben, der nur vergleichbar ist mit dem hundert Jahre zurück liegenden Bau des Nord-Ostsee-Kanals.
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5. Gesetzliche Aspekte und Raumplanung
Der Landschaftsrahmenplan beschreibt die Landschaft auf einer allgemeinen Basis und listet einige wichtige Landschaftselemente wie Siedlungsstrukturen, Bauernhaustypen und ehemalige Torfstichgebiete auf. Eine Karte gibt ein vages Bild der historischen Landschaften, die als Gebiete historischer Flurformen definiert werden. Die Bedeutung des Kanals und des Drainagesystems ist hervorgehoben. Naturschutzgebiete, die unter unterschiedlichem Schutzgebietsstatus stehen, sind die Insel Rhinplate, die Vorländer und deren Feuchtgebiete, erhaltene Moorstücke im Vaaler Moor und Herrenmoor sowie das Drainagesystem bei Kollmar. Das Vaaler Moor erfüllt die Anforderungen für ein Landschaftsschutzgebiet. Die Kulturlandschaft hat eher geringe Bedeutung im Landschaftsmodel des Rahmenplans, jedoch berücksichtigen Entwicklungsziele strukturreiche Landschaften, die dazu auch kartiert werden. Empfehlungen zum Schutz und zur Verbesserung der historischen Landschaft beziehen auch Naturschutzinstrumentarien, die Integration von Raumplanung auf kommunaler Ebene und die Förderung extensiver Viehzucht ein. Weiterhin wird angeraten, die Anzahl der sog. landschaftstypischen Elemente zu erhöhen und bestehende Elemente in das Netzwerk aus Biotopen und Schutzgebieten zu integrieren. Die Regionalplanung bestätigt das hohe Potential des Kulturerbes als Alleinstellungsmerkmal in Verbindung mit touristischen Leitbildern. Jedoch sind die Belange des Kulturerbes, abgesehen von einer Liste charakteristischer Landschaftselemente, nicht ein fester Bestandteil des Regionalplans.
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6. Anfälligkeiten
Die industrielle Entwicklung und v.a. der Bau der Autobahn durch die Marschen wird das Erscheinungsbild der existierenden historischen Landschaft im hohen Maße verändern. Naturschutzmaßnahmen wie Baumpflanzungen oder Renaturierungen können die Landschaft immens beeinflussen und sogar historische Bestandteile und Strukturen zerstören, wenn die historische Umgebung nicht mit gebotener Rücksicht einbezogen wird.
7. Möglichkeiten
Landschafts- und Kulturerbethemen sind bereits als wichtiger Bestandteil in der Landschafts- und Regionalplanung wahrgenommen worden. Eine weitere Integration, v.a. in Form von praktischen Empfehlungen und Instrumenten, ist wichtig, um eine nachhaltige Entwicklung der Landschaft umzusetzen. Weiteres Fachwissen und zusätzliche Kompetenzen sind entscheidend für eine angemessene Integration des kulturellen Erbes in die Instrumente der Raumplanung, wie den Landschaftsrahmenplan und die Regionalpläne. Tourismus, der die historische Landschaft als Gewinn sieht, hat ein hohes Potential für die Entwicklung in der Region. Die Verbesserung von Fahrradwegen oder etwa eine umsichtige Nutzung des intakten Kanalsystems für Kanufahrten sind wichtige Faktoren in dieser Hinsicht. Bestehende Informationszentren sind gut geeignet, um Besuchern die Landschaftsentwicklung zu verdeutlichen und zu erklären. Koordinierte und fachkundige Nutzung von Naturschutzinstrumenten für die Landwirtschaft bieten sehr gute Möglichkeiten für den Erhalt der historischen Landschaft.
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8. Quellen
Allgemeine Literatur:
Ahrens. Vorgeschichte des Kreises Pinneberg und der Insel Helgoland. (Neumünster 1966)
Arnold, Drenkhahn, Meier (Hgs.). Frühe Siedler an der Küste. Küstenarchäologie in Dithmarschen und Steinburg. (Heide 1991)
Braun, Strehl (Hgs.), Langhaus und Winkelbau. Uthlandfriesische Bauformen im 18. und 19. Jahrhundert. (Bredstedt 1989)
Gebietsbezogenes integriertes Entwicklungskonzept für die LAG Steinburg. Bewerbung zur Aufnahme in die Gemeinschaftsinitiative LEADER+ (unveröffentlicht 2002)
Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Gietzelt (Hg.), Geschichte Dithmarschens. (Heide 2000)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hgs.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 1998)
Landesamt für Denkmalpflege S-H (Hgs.), Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. (Neumünster 1969)
Meier, Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft. (Heide 2006)
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein (Hgs.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum IV – Kreise Dithmarschen und Steinburg. Fortschreibung. (Kiel 2005)
Naudiet, et. al. Atlas des Kreises Steinburg. Innenansichten einer Region (Hamburg 1995)
Ohl. Hausformen in der Marsch. Steinburger Jahrbuch 1989, S. 139-150
Piepke. Archäologisch-siedlungshistorische Landesaufnahme der Störmarsch im Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein. Unveröffentliche Diplomarbeit, Kiel 2004
Prange. Die Bedeichungsgeschichte der Marschen in Schleswig-Holstein. In: Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 16. (Hildesheim 1986) S.1-55
Waluga, Kierchhoff. Regionales Entwicklungskonzept Kreis Dithmarschen. Endbericht. Bremen 2001 unveröffentlicht.
Vollmer, et. al. (Hgs.). Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region – Project Report. Wadden Sea Ecosystem No. 12. Common Wadden Sea Secretariat. (Wilhelmshaven 2001)
Karten:
Archäologisches Landesaufnahem Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Topographisch Militärische Charte des Herzogtums Holstein (1789-1796)
Stand: 21.08.2007
Fotos © ALSH, Karten © LVermA-SH
www.lancewadplan.de
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