Historische Landschaftscharakterisierung
Sylt
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Name der Landschaftseinheit:
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Sylt
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Grenzen:
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Insel in Nordfriesland, benachbarte Landschaftseinheiten sind Amrum, Föhr und die Wiedingharde auf dem Festland, sowie die dänische Insel Rømø
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Größe:
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99 km², 38 km von Süd nach Nord, 12,6 km von Ost nach West
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Ort/Lage – Karte
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Insel im Nordwesten Nordfrieslands, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Namensherkunft:
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Vermutlich abgeleitet von einem Wort, das „Schwelle“ bedeutet und sich auf die lange Form der Insel bezieht
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Beziehungen/Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
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- Haufendörfer wie auf Föhr, Amrum und der Festlandgeest
- Historische Bauernhäuser und Wohnhäuser wie auf Föhr, Amrum
- Leuchttürme wie in anderen Küstenlandschaften
- Flurformen mit niedrigen, begrenzenden Erdwällen wie auf Föhr und Amrum
- Heideland, Grabhügel und megalithische Gräber wie auf Föhr, Amrum und der Festlandsgeest
- Kurarchitektur wie auf Amrum und Wyk auf Föhr
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Charakteristische Elemente und Einheiten:
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- Haufendörfer mit unregelmäßigen Blockfluren, die von niedrigen Erdwällen umschlossen werden
- Bauernhäuser im uthlandfriesischen Stil mit Friesenwällen
- Mittelalterliche Kirchen
- Leuchttürme des spräten 19. Jahrhunderts
- Neuzeitliche Kur- und Bäderarchitektur
- Heideland
- Grabhügel und Megalithgräber
- Frühgeschichtliche Siedlungshügel
- Auftragsböden
- Archäologische Fundstellen unter den Dünen
- Befestigungen und militärische Einrichtungen aus dem Zweiten Weltkrieg
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2.1. Allgemein
Der Hauptteil der Insel um Westerland und Sylt-Ost herum besteht aus Resten von Moränen saaleeiszeitlicher Gletscher (Geestkerne) und aus einigen Teilen früherer, voreiszeitlicher Gesteinsformationen wie dem Morsumkliff. Seitdem die Nordsee die Küste vor etwa 6000 Jahren erreichte, werden die Geestkerne stark erodiert. Die Gezeiten und küstenparallele Strömungen haben die charakteristischen langen Sandarme, Nehrungen, die einige Kilometer nach Süden und Norden reichen, durch konstante Erosion und Sedimentation geformt. Das Meer hat besonders die westlichen Teile der Moränen über die Jahrhunderte abgetragen und dadurch bis zu 25 Meter hohen Kliffs geschaffen, wie z.B. das Rote Kliff. Dadurch entstand eine ständige Bedrohung für die Siedlungen. Dünen haben sich im großen Umfang v.a. seit dem Mittelalter gebildet und bedecken nun schmale Flächen entlang der Westküste und die gesamten nördliche und südliche Nehrung. Durch ihr konstantes und ungehindertes Vordringen nach Osten wurden in der Vergangenheit frühe Siedlungen von den Dünen überdeckt. Sylt war ursprünglich Teil von weitläufigen Salzmarschgebieten und Mooren, die sich auf dem Gebiet des heutigen Wattenmeers Nordfrieslands bis ins späte Mittelalter erstreckten. Heute existieren eingedeichte Marschen auf Sylt entlang der Südküste des Inselkerns. Kleinere Salzmarschen befinden sich nördlich von Kampen, östlich von Rantum und nördlich von Archsum. Die südlichen und nördlichen Randzonen des Archsumer Geestkernes fallen sanft zu den hin Marschen ab, während der Übergang von der Kampener Geest zur Marsch kräftig ausgeprägt ist.
2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Ein Großteil der langen nördlichen und südlichen Nehrungen ist mit Dünen bedeckt und weitgehend unbewohnt. Die größeren Dörfer List und Hörnum befinden sich auf den nördlichen und südlichen Spitzen, wenige, kleine Siedlungen dazwischen bilden die Ausnahme. Der zentrale Geestkern im Westen um Westerland, Wenningstedt und Kampen ist ziemlich dicht besiedelt, während das Hinterland zwischen Kampen und Keitum immer noch viele offene Flächen aufweist, die vor allem von Heideland, Golfplätzen und einem Flughafen gebildet werden. Der östliche Teil der Moränen in Sylt-Ost ist eher ländlich mit Feldern und Weiden, die durch niedrige Erdwälle getrennt werden und um kleine Dörfer und verstreute einzelne Höfe und Häuser herum liegen. Die eingedeichten Marschen im Süden sind meist unbewohnt und durch ein kleinteiliges Raster von rechtwinkligen Drainagegräben durchschnitten, das sich an neuen Straßen und unregelmäßigen ehemaligen Prielen orientiert. Das angrenzende Rantumbecken ist ein geschlossenes Gebiet aus offenem Wasser und Marsch. Die Insel ist von kleinen Wäldern, besonders zwischen den Dörfern im Westen, durchsetzt. Es kommen verschiedene Gebäudetypen vor. Sie reichen von größeren Komplexen wie Kasernen, Apartmentgebäuden, öffentlichen Einrichtungen, Kurbädern und Ferienhausanlagen bis zu allein stehenden Häusern, die den größten Anteil an der bebauten Fläche auf der Insel bedecken. Einige Bauwerke sind größer als drei oder vier Stockwerke, wie beispielsweise Apartmentblocks entlang der Promenade in Westerland, einige Leuchttürme oder der große Funkmast in Rantum mit einer Höhe von über 200 Metern. Der zentrale Teil der Insel ist eng verbunden durch ein Netzwerk von Straßen und wird in der Mitte von der Eisenbahnstrecke Niebüll-Westerland durchschnitten. Eine große, offene Fläche bei Westerland wird als Flugplatz mit zwei Start- und Landebahnen auch für größere Passagierflugzeuge benutzt.
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Megalithgräber wie der Denghoog in Wenningstedt und eine Vielzahl von noch existierenden einzelnen Grabhügeln und Grabhügelfeldern der Bronze- und Wikingerzeit, wie die Tinghooger auf dem Flugplatz und Hügel in der Nähe des Leuchtturms bei Kampen, stellen ausreichend sichtbare Beweise einer beinahe konstanten Besiedlung der Insel seit der Jungsteinzeit dar. Einzigartig sind Reste von Grabhügeln und Megalithgräbern, die sich in den Marschen befinden, wie nahe bei Keitum und Archsum. Sie waren ursprünglich auf niedrigen Geestkuppen platziert, die heute von Marsch bedeckt werden. Die Insel war in prähistorischer Zeit recht dicht besiedelt, wie viele Siedlungsreste belegen, wie z.B. der Melenknop in Archsum. Hier, wie auch an vielen anderen Stellen in der Region, wurde Klei und anderes Material herangeholt, um einen fruchtbareren Boden zu schaffen. Siedlungen wurden durch die beständige Nutzung desselben Platzes erhöht, wobei es sich hier um eine singuläre Erscheinung auf den Geestresten der Wattenmeerregion Schleswig-Holsteins handelt. In römischer Zeit wurden die Salzmarschen bereits als Viehweide von einer wachsenden Anzahl Siedlungen entlang der Geestkante genutzt.

Von Marsch überdecktes Megalithgrab aus der Jungsteinzeit westlich von Archsum.
Die Besiedlung hörte scheinbar für einige Zeit währen des 5. und 6. Jahrhunderts n. Chr. auf, was üblicherweise der Migration nach Großbritannien zugeschrieben wird. Während der Wikingerzeit wurde die Insel v. a. von Friesen aus dem westlichen Wattenmeer wieder besiedelt. Aus dieser Zeit stammen Gräberfelder wie am Morsumkliff mit einer großen Anzahl an Grabhügeln. Der kreisförmige Erdwall der Tinnumburg, eine befestigte Anlage der Wikingerzeit, stellt das prominenteste archäologische Denkmal auf Sylt dar. Überreste mittelalterlicher Besiedlung haben sich vor allem unter den Dünen erhalten, wie der Fundplatz von Alt-List. Alt-List war zu jener Zeit ein bedeutender Naturhafen, wovon zahlreiche archäologische Funde aus dem Bereich des Schiffsbaus zeugen.
Dörfer und Höfe mussten häufig aufgrund der ständigen Erosion der Westküste sowie der Dünenbewegungen weiter nach Osten verlegt werden. So wurde beispielsweise Westerland als Nachfolger des Dorfes Eidum, das während des 15. Jahrhunderts an das Meer verloren ging, im Hinterland gegründet. Andere Dörfer wie Keitum, Morsum und Kampen haben ihre Ursprünge im frühen und hohen Mittelalter und waren üblicherweise nicht mehrals eine Ansammlung von Höfen ohne einen klaren Kern oder eine spezifische Struktur. Die Bewohner lebten von Viehzucht und Ackerbau und seit dem 15. Jahrhundert zunehmend von der Heringsfischerei bei Helgoland. Ein heutzutage verschwundener Hafen in Buder bei Hörnum diente diesem Zweck. Intensive Landnutzung und die Entfernung des Oberbodens verwandelte zu jener Zeit Ackerland in nährstoffarmes Heideland, das große Teile der Insel bis in die Moderne bedeckte. Reste davon existieren bis heute zwischen Wenningstedt und Braderup oder in der Nähe von Keitum. Die frühesten Steinkirchen wurden während des 12. Jahrhunderts aus Ziegeln und kleineren Anteilen rheinischen Tuffsteins als einfache romanische Hallenkirchen errichtet. Üblicherweise wiesen die Kirchen, wie in Keitum und Morsum, keinen angebauten Glockenturm auf. Der Turm in Keitum wurde erst in spätgotischer Zeit angefügt.

Der kreisförmige Erdwall der Tinnumburg, eine befestigte Anlage der Wikingerzeit.
3.2. Frühe Neuzeit
Die Heringsfischerei brachte einen bescheidenen Wohlstand nach Sylt. Als aber die Fischschwärme zum Ende des 16. Jahrhunderts abnahmen, fanden die Bewohner ein neues Auskommen auf den Walfangschiffen hamburgischer oder holländischer Reeder vor Grönland oder Spitzbergen. Daher trugen neue Häuser zunehmend den veränderten Umständen und dem wachsenden Wohlstand einiger Bewohner Rechnung. Grabsteine, wie auf dem Friedhof von Keitum, berichten von dem gefährlichen Geschäft des Walfangs. Bauernhäuser im uthlandfriesischen Stil sind stärker an die Viehzucht als an den Ackerbau angepasst und wurden vom 17. Jahrhundert bis etwa um 1800 errichtet. Die an Bedeutung verlierende Landwirtschaft wurde nun v. a. von den Frauen der Seefahrer und von älteren Leuten aufrechterhalten. Einige der manchmal prächtig ausgestatteten Höfe, die mit anderen Hofgebäuden in typischen rechten Winkeln verbunden sind, haben in den historischen Dorfkernen wie in Wenningstedt oder Morsum überlebt und werden heute für Apartments oder Zweitwohnungen genutzt. Die Insel wurde zu dieser Zeit von einem Vertreter der dänischen Bezirksverwaltung in Tønder verwaltet, der in der Landvogtei in Tinnum lebte, einem großem, reetgedeckten Barockgebäude aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Die ständige Bedrohung durch die an der Steilküste nagenden Wellen und die wandernden Dünen erforderten die Aufgabe vieler Gebäude, wie wenigstens zwei Kirchen in Rantum, die in kurzem Abstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neu aufgebaut werden mussten. Die Menschen begannen Bäume zu pflanzen, um die Wanderung der Dünen zu verlangsamen. Die erste Vogelkoje auf Sylt wurde zu dieser Zeit nördlich von Kampen errichtet. Sie dienten dem Fang einer großen Anzahl von Vögeln und waren recht verbreitet auf den nordfriesischen Inseln, v. a. aber in Westfriesland, Groningen und in England.
Am Ende des Jahrhunderts veranlasste die dänischen Behörden die Verkoppelung v. a. der damaligen Allmende, des gemeinschaftlich genutzten Weidelandes. Im Zuge dieser Flurbereinigung, entstanden größere Felder und Weiden, die nun von niedrigen Wällen getrennt wurden. Zu dieser Zeit wechselten mehr und mehr Seeleute von der traditionellen Arbeit im Walfang auf die profitablere Anstellung auf Handelsschiffen. Dies führte zu einem kurzen wirtschaftlichen Aufschwung, der prächtige Stuben zur Repräsentation (Pesel) ermöglichte und ziemlich abrupt durch die Kontinentalsperre Napoleons beendet wurde. Die Siedlungsstruktur von locker verstreuten Dörfern, Weilern und Höfen der Zeit ist heute fast ganz verschwunden und am besten um Morsum und Archsum erhalten geblieben.
3.3 Neuzeit
Auf den rasanten Einbruch des Handels, der wichtigsten Einnahmequelle Sylts, folgte zunächst kein neuer, lukrativer Haupterwerb. Diese Entwicklung verursachte erhebliche wirtschaftliche Probleme auf Sylt. Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fasste dann der Tourismus Fuß auf der Insel. In Westerland wurde 1855 ein Seebadgegründet. Dies löste eine rasante und massive Veränderung der Landschaft aus, die bis heute anhält. Während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts blieben baulichen Aktivitäten, die mit dem Tourismus verbunden waren, meist auf Westerland beschränkt. Der Ort wuchs rasch und übernahm von Keitum am Ende des 19. Jahrhunderts die Rolle als wichtigste Siedlung auf der Insel. Besucher kamen vom Hafen in Hoyer auf dem Festland, der nach 1864 unter preußische und später deutsche Herrschaft fiel. Der Neue Hafen in Hörnum wurde um 1900 auf der ehemals unbewohnten südlichen Spitze gegründet, um Kreuzfahrtschiffe, die von Hamburg über Helgoland und Amrum fuhren, zu empfangen. Die Architektur der verschiedenen, noch existierenden Leuchttürme der Insel, die, wie List-West und List-Ost, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden, zeigt die zeitgenössische Bandbreite an Konstruktionen, von dem gemauerten Turm am Roten Kliff bis zu dem gusseisernen Exemplar mit Doppelgalerie in Hörnum. Eine Eisenbahn sorgte, wie auch auf Amrum, ab der späteren zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für den Transport von Touristen. Sie wurde in den 1970er Jahren endgültig demontiert, als der vorherrschende Autoverkehr keinen rentablen Zugbetrieb mehr ermöglichte. Die Eisenbahntrassen werden heute zum Wandern und Rad fahren genutzt.
Der Großteil der Insel hatte sein Aussehen damals jedoch nur wenig verändert. Die weitläufigen Salzmarschen südlich des Geestkerns waren größtenteils durch Priele und von wenigen, künstlichen Gräben durchsetzt. Reste dieser ehemals natürlichen Wasserläufe können immer noch in gewundenen Verläufen von Gräben wie dem Krüts-Wial und Arch-Wial nachvollzogen werden. Erste Maßnahmen, um die abbrechenden Steilufer im Westen zu erhalten, wurden zu jener Zeit in Form hölzerner Buhnen ergriffen.

Die windungsreichen Entwässerungsgräben Krüts-Wial und Archs-Wial sind ehemalige Priele.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreichte Westerland als Weltbad einen wirtschaftlichen Höhepunkt, was sich in repräsentativen Bauten der Bäderarchitektur und auf den Kurbetrieb ausgerichtete Gebäude wie der Strandhalle niederschlug. Der Erste Weltkrieg verursachte einen großen Rückgang des Tourismus Dieser hielt an, als Sylt seine Hafenanbindung zum Festland kurz darauf verlor, nachdem Hoyer durch Volksabstimmung dänisch wurde. Die darauf folgende Verbindung zur Wiedingharde durch den Hindenburgdamm, den Bau einer Eisenbahnlinie darüber und ein früher Flughafen bei Westerland waren weitgehend Ersatzmaßnahmen. Aufgrund der strategisch wichtigen Lage Sylts hinterließ auch das Militär seine Spuren in Form von Kasernen und Bunkern. Die Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg und später auch der Status der Insel als sog. Festung verursachten weitere weitreichende Baumaßnahmen und Landschaftsveränderungen. Neben Bunkern in den Dünen, wie nahe Westerland, baute man die Kasernen in Hörnum, List und Westerland aus. Das Rantumbecken wurde ursprünglich als ein gezeitenunabhängiger Hafen für Wasserflugzeuge eingedeicht, aber schon bald zugunsten des Flughafens nahe Westerland verlassen worden. In den 1960er Jahren wandelte man das Gebiet in ein Naturschutzgebietum.
Die südlichen Salzmarschen wurden in den 1930er Jahren erschlossen, eingedeicht und durch ein Grabennetz entwässert, um neues Land für Besiedlung und Landwirtschaft zu gewinnen. Nach dem Krieg erreichte eine große Anzahl von Flüchtlingen die Insel und trieb die Bevölkerungszahl in die Höhe. In den 1950er Jahren wurde die Insel wieder für den Tourismus geöffnet und blüht seitdem wirtschaftlich auf. Dadurch dehnten sich die Wohngebiete v. a. in den 1970er und 1980er Jahren enorm aus. Große Flächen des nordwestlichen Teils des Geestkerns sind nun von einzeln stehenden Einfamilienhäusern bedeckt, während in Hörnum auch einige große Apartmenthäuser gebaut wurden. Die kleinen Dörfer auf den Sandhaken haben sich ebenfalls deutlich ausgedehnt. Einige Siedlungen wie Westerheide sind gänzlich neu entstandene, locker bebaute Wohngebiete, die kein richtiges Zentrum aufweisen und unabhängig von umgebenden Dörfern sind. Sylt wurde zudem mit Jugendheimen, Erholungszentren und anderen Anlagen in allein stehender Lage ausgestattet. Der moderne Küstenschutz hat ebenfalls seine Spuren in Form von Dreifüßen aus Beton aus den 1960er Jahren und Beton-Buhnen hinterlassen, die allerdings wenig Erfolg darin hatten, den Küstenabbruch zu stoppen.
4.1. Landnutzung
Die Landwirtschaft beschränkt sich hauptsächlichen auf den östlichen Inselteil und spielt wirtschaftlich nur eine geringe Rolle. Große Teile der unbewohnten Gebiete im Westen der Insel, die hauptsächlich aus Dünen und Heideland bestehen, sind unter Naturschutz. Zusammen mit dem langen Strand der Westküste sind sie besonders wichtig für den Tourismus und das Kurgewerbe der Insel. Viele Tourismuseinrichtungen sind daher in oder nahe bei diesen Gebieten angesiedelt. Einige Wälder wurden neu angepflanzt und Pläne für neue Pflanzungen werden kontrovers diskutiert. Der Küstenschutz ist aufgrund der ständigen Bedrohung der bewohnten Gebiete im Westen durch Erosion ein wichtiges Thema auf der Insel. Der Küstenabbruch wird heutzutage vor allem durch eine kostenaufwändige Prozedur eingedämmt, bei der Sand vor die Strände und Dünen gespült wird.
4.2 Siedlungsentwicklung
Sylt ist einer der Orte mit den höchsten Touristenanzahlen in der Wattenmeerregion. Dies hat die Kulturlandschaft Sylts über die letzten 150 Jahre erheblich verändert und ist auch heute der Hauptfaktor für den Landschaftswandel geblieben. Neue Baumaßnahmen für den Tourismus dürfen heute nur in begrenzten Bereichen ausgeführt werden und müssen mit touristisch relevanten Aspekten wie der Landschaft koordiniert werden. Noch immer sind größere Bauprojekte im Entstehen, wie ein größeres Hotel in Rantum. Die verhältnismäßig vielen Golfplätze verursachten ebenfalls großflächige Landschaftsveränderungen.
Die anhaltende Ausweitung der Besiedlung wird von der Raumplanunggebremst. Schon jetzt ist die Siedlungsbelastung sehr hoch, wodurch Neubaugebiete nur für die Einwohner entstanden, um Grundstücke zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können. Pläne für weitere Gebiete sind in Vorbereitung. Der Landschaftsrahmenplan verlangt den Erhalt der verbliebenen Freifläche zwischen den Dörfern um Westerland herum, die ansonsten völlig miteinander verschmelzen würden. Die ländliche Gegend auf der Nössehalbinsel im Osten soll als gering besiedeltes Gebiet mit dazwischen liegenden Feldern und Weideland erhalten bleiben. Die Errichtung größerer Geschäfte und Einkaufszentren ist nur begrenzt möglich.
Die Bundeswehr schließt ihre Einrichtungen auf der Insel bis 2007 und hinterlässt Kasernen und Übungsgebiete für eine neue Verwendung. Die meisten der Einrichtungen wurden bereits geschlossen. Im Rahmen dieser sog. Konversion werden Kasernen in Hörnum durch einen neuen Golfplatz ersetzt.
4.3 Industrie und Energie
Windkraftanlagen und produzierendes Gewerbe in größerem Umfang gibt es nicht auf der Insel. Ein Neubaugebiet neben dem Flughafen ist v.a. für die Verlegung von lokalem Gewerbe vorgesehen, das seine Umgebung negativ beeinträchtigen könnte und wegen anhaltender Nachfrage expandieren will.
4.4 Infrastruktur
Die Insel ist von einem dichten Straßennetz überzogen und ist mit Autos hauptsächlich über einen Autozug zu erreichen. Die Zugverbindung von Sylt nach Hamburg über Niebüll ist unentbehrlich für die Verbindung zum Festland. Eine Autofähre kreuzt zudem von List zur dänischen Insel Rømø. Der Flughafen belegt ein großes Areal auf der westlichen Geest und hält es von Gebäuden frei. Seit den 1920er Jahren wurde hier ein Großteil des ehemaligen Heidelands in Grasflächen umgewandelt. Der Flugverkehr wird voraussichtlich anwachsen, v. a. wenn ein neues Hotel einer großen Reisekette seine Gäste über den Luftweg erhalten wird. Der wachsende Autoverkehr stellt eine große Belastung für die Insel dar, da viele Besucher ihre Fahrzeuge mit auf die Insel nehmen. Daher wird eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs vom Landschaftsrahmenplan dringend empfohlen. Die Verkehrsauslastung der Züge ist aber bereits auf einem hohen Niveau und wächst aufgrund der steigenden Zahl von Berufspendlern von der Wiedingharde auf dem Festland weiter. Der Bahnverkehr ist zudem durch die eingleisige Schienenführung eingeschränkt.
Das Wattenmeergebiet um die Insel herum ist Teil des Nationalparks Wattenmeer von Schleswig-Holstein. Das Watt südlich des Hindenburgdammes ist Grabungsschutzgebiet. Die Insel ist Ordnungsraum für Tourismus und Erholung mit einigen Seebädern. Der Landschaftsrahmenplan betrachtet einige Dörfer wie Keitum, Alt-Westerland oder Archsum, wie auch einige Bauernhäuser im uthlandfriesischen Stil mit Trockenmauern sowie einige Kirchen als Kulturlandschaft von besonderem Wert. Die Insel wird als Region mit einer hohen Bedeutung für die Erholung geschätzt. Ein Naturerlebnisraum ist für die Weiden südlich von Westerland angedacht. Die Insel rühmt sich ihrer zehn Naturreservate, RAMSAR- und Natura-2000-Gebiete wie Nord-Sylt, Braruper Heide oder das Morsumer Kliff, von denen einige für eine Erweiterung vorgesehen sind, sowie einiger neu ausgewiesener Schutzgebiete. Die Gebiete von Sylt-Ost und Westerland-Kampen eignen sich als Landschaftsschutzgebiete.
Wenige historische Landschaftsgebiete und Strukturen wie auch nur eine relativ geringe Prozentzahl der ursprünglich vorhandenen prähistorischen Denkmale haben sich erhalten. Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, v. a. des Flughafens und der Straßen, und Neubaugebiete können diese letzten Rückzugsgebiete gefährden. Obwohl die Kultur- und Landschaftsbestände durch regionale Entwicklungskonzepte als sehr wichtig eingestuft werden, kann die fehlende Einbindung in praktische Instrumente zu einer weiteren Zerstörung von historischer Landschaft und den entsprechenden Bestandteilen führen. Managementpläne für die Pflege der Kulturdenkmale und übergeordnete Zielstellungen für deren In-Wert-Setzung liegen nicht vor.
Die Insel besitzt eine Vielzahl an Naturreservaten, besonderen geologischen Merkmalen und eine große Vielfalt archäologischer Denkmäler, die unter Schutz stehen. Eine Integration in die Tourismuskonzepte und Raumplanungen kann helfen die Alleinstellungsmerkmale der Insel zu stärken und helfen einen umweltverträglicheren Tourismus, etwa im Gesundheitssektor, zu entwickeln. Die gesunde Wirtschaftslage der Insel begünstigt die Entwicklung von Konzepten für den Erhalt und die In-Wert-Setzung von Landschaft und kulturellem Erbe.
Allgemeine Literatur:
Bantelmann, Landschaft und Besiedlung Nordfrieslands in vorgeschichtlicher Zeit. (Husum 1992)
Bantelmann, Panten, Kuschert, Steensen. Geschichte Nordfrieslands. (Heide 1995)
Beseler, Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. (Neumünster 1969)
Braun, Strehl (Hg.), Langhaus und Winkelbau. Uthlandfriesische Bauformen im 18. und 19. Jahrhundert. (Bredstedt 1989)
Fahrenkrug et. al. Regionales Entwicklungskonzept Nordfriesland (unveröffentlicht, 2003)
Fohrbeck, Schikotanz. Die Region „Uthlande“ Ein Regionales Entwicklungskonzept (unveröffentlicht)
Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 2004)
Kunz, Panten. Die Köge Nordfrieslands. (Bredstedt 1997).
Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum V. (Kiel 2002)
Steensen, T. (Hg.). Das große Nordfrieslandbuch. (Hamburg 2000)
Wedemeyer. Kleine Geschichte der Insel Sylt. (Essen 1993)
Vollmer, et. al. (Hg.). Landscape and Cultural Heritage in the Wadden Sea Region – Project Report. Wadden Sea Ecosystem No. 12. CommonWaddenSea Secretariat. (Wilhelmshaven 2001)
Karten:
Archäologisches Landesaufnahem Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Karte von H. du Plat, 1804/05
Karte von J. Mejer, 1648
Karte von J. Meier, 1648, Rekonstruktion der Landschaft im Jahr 1240
Stand 14.08.2007
Fotos © ALSH, Karten © LVermA-SH













