Historische Landschaftscharakterisierung
Haseldorfer Marsch
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Name der Landschaft:
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Seestermüher und Haseldorfer Marsch oder nur Haseldorfer Marsch für die gesamte Landschaftseinheit.
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Grenzen:
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Die Flussmarschen des Kreises Pinneberg sind durch die Krückau von der benachbarten Landschaftseinheit Kremper Marsch und Wilster Marsch im Norden getrennt, die südliche Grenze ist markiert durch die Geest bei Wedel. Die Marschen sind durch den Fluss Pinnau in die Seestermüher und die Haseldorfer Marsch geteilt.
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Größe:
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Ca. 107 km2
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Ort/Lage – Karte
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Elbmarschen des Kreises Pinneberg, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Namensherkunft:
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Abgeleitet vom ehemaligen Namen des Flusses Krückau (Seester) und dem Dorf Haseldorf in der Marsch. Mühe bedeutet Mündung.
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Beziehungen/Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
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- Strukturen von Marschhufensiedlungen wie in Dithmarschen, Wilster Marsch und Kremper Marsch
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Charakteristische Elemente und Einheiten:
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- Gutstrukturen mit Gutshöfen und Katen der Arbeiter
- Reihen mittelalterlicher Warften mit angrenzenden, lang gestreckten Landstreifen (Marschhufendörfer), die von parallelen Drainagegräben getrennt werden
- Unregelmäßig verlaufende, mittelalterliche Deichlinien und Kanäle
- Blockflure, die von Flussprielen in den elbnahen Kögen zerschnitten werden
- Drainageeinrichtungen wie Schleusen und Pumpstationen
- Niederdeutsche Hallenhäuser
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2.1 Allgemein
Die geologische Basis der Landschaftseinheit wird durch die Moränen der Geest aus der Saale Eiszeit geformt, abgeflacht und zerschnitten durch das Elbeurstromtal während der letzten Eiszeit. Ein Uferwall, der vermutlich von Wedel bis Kollmar in den Norden reichte, wurde in der Nacheiszeit vom Fluss am damaligen Ufer abgelagert. Diese Barriere und die hohe Marsch entlang der Flussufer hielten Fluss- und Nordseewasser größtenteils fern, förderten die Entstehung von Mooren im Hinterland zwischen hoher Marsch und Geest. Der Uferwall erodierte schließlich zum größten Teil im Verlauf des Mittelalters, als die Elbe ihren Lauf weiter ostwärts verlagerte. Nur wenige Reste der Dünen sind etwa in Hohenhorst oder Hetlingen erhalten geblieben. Das Marschland das auf den Mooren entstand blieb aber niedrig und feucht, während von Menschenhand errichtete Deiche eine neue Barriere gegen Überflutung und Sedimentation bildeten. Zu dieser Zeit übte die Elbe bereits den größten Einfluss auf die Flussmarschen in dieser Gegend aus und lagerte die allerdings immer noch marinen Sedimente ab, im Gegensatz zu der flussabwärts gelegenen Kremper Marsch und Wilster Marsch, die weiterhin stärker unter Meereseinfluss standen.
2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Das kleine Gebiet der Seestermüher Marsch zwischen den Flüssen Krückau und Pinnau und die Haseldorfer Marsch zwischen Pinnau und der Geest von Wedel liegen kaum über dem mittleren Tidehochwasser. Beide Marschen weisen nur ein geringes Relief auf und sind durch die gewundenen Linien der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Deiche, durch Straßen entlang des Verlaufs von ehemaligen Deichen und durch unregelmäßige Drainagekanäle gegliedert. Die Flure sind oft durch lange parallele Gräben geteilt und orientieren sich entlang von Gehöftreihen, die auf mittelalterlichen Deichen oder entlang von Kanälen gebaut wurden. Dörfer im westlichen Teil in Richtung des Flusses sind stärker verdichtet und durch wenige kleine Neubaugebiete erweitert. Das Land, v. a. in den westlichen Kögen, ist vermehrt in unregelmäßige aber großflächige Felder aufgeteilt, während die Köge südlich von Haseldorf aus kleinteiligen Felder bestehen. Besonders die Köge direkt entlang der Elbe sind immer noch größtenteils durch ehemalige Priele durchschnitten, die sich bis in das Vorland fortsetzen, welches durch Flussarme, Marschflächen und Sandbänke gegliedert wird und teilweise mit Bäumen und Büschen bestanden ist. Viele Weiden sind noch durch ausgeprägte Grüppenstrukturen, niedrige, parallele Drainagegräben zwischen gewölbten Weideflächen, strukturiert. Bäume als vertikale Elemente sind besonders entlang der Straßen und um Siedlungen herum gepflanzt. Die einzigen höheren Bauwerke sind die Kirchen sowie einige größere Gebäude wie Herrenhäuser, vor allem aber moderne Starkstromleitungen.
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Erste Spuren einer Besiedlung sind einige steinzeitliche Funde wie auch einige kaiserzeitliche Relikte auf den erhaltenen Dünen, wie z.B. Bishorst und Hetlinger Schanze sowie etliche Funde mehr von Baggerarbeiten aus der Elbe. Die Situation der menschlichen Besiedlung dieser Gegend während der späten Kaiserzeit, der Völkerwanderung und des frühen Mittelalters ist unbekannt. Es kann aber angenommen werden, dass Siedlungen seit dem frühen Mittelalter wenigstens auf den höheren Uferwällen sowie bereits auf einigen frühen Waften weiter bestanden haben. Erst seit dem 12. Jahrhundert haben wir wieder Kenntnis von einigen Plätzen wie dem Schloss von Haseldorf. Erste Eindeichungen, wahrscheinlich Ringdeiche um die am Fluss gelegenen Dörfer, sind aus dieser Zeit überliefert. Vielfältige Spuren von Deichen, etwa nordöstlich von Haseldorf oder in Sonnendeich in der Seestermüher Marsch, können zu dieser Phase gehören und bezeugen die Eindeichungen der Marsch zwischen den hohen Uferwällen und der Geest. Die sächsischen Siedler begannen auch Warften für ihre Höfe und Dörfer zu errichten. Die frühen Siedlungen mit ihren unregelmäßig geformten Fluren, die sich meist auf dem höheren Uferwällen nahe der Elbe befanden, wurden ernsthaft durch die Verlagerung des Laufs der Elbe in Richtung Haseldorfer Marsch bedroht, wodurch die hohen Flussufer allmählich erodierten. Das Dorf Ichhorst, das sich wahrscheinlich nahe dem heutigen Eckhorst befand, ging daher bereits um 1200 verloren. Andere Dörfer, wie die Vorgängersiedlung von Seestermühe und Bishorst, folgten bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, während andere, wie Hohenhorst, Eckhorst und Idenburg, möglicherweise sogar auf den Resten der alten Uferwälle überdauerten.
Die meist ungeschützten Marschen nahe der eiszeitlichen Geest waren niedrig, daher oft überschwemmt und mit einigen dauerhaften Seen gesprenkelt. Die eher unregelmäßigen Verläufe der heutigen Kanäle stammen noch von natürlichen Wasserläufen und Flussarmen, die die Marsch durchzogen. Auch die Läufe der Krückau und Pinnau wichen von den heutigen ab, und es ist anzunehmen, dass sie weiter südwärts verliefen, was heute noch nachvollziehbar ist anhand der Kanäle, die von Klostersand zur Mündung der Pinnau führen. Reste von frühen Feldsystemen können in den unregelmäßigen Flurstrukturen der Marschen östlich von Hetlingen beobachtet werden.
Die gotische Kirche in Haselau.Während des 12. Jahrhunderts begannen die Grafen von Schauenburg Siedler aus der Gegend der neuen Niederlande anzuwerben, um die niedrigen Marschen zu entwässern und zu kultivieren. Spätestens zu dieser Zeit muss eine geschlossene Deichlinie oder ein großer Ringdeich Teile der Marsch vor dem Flusswasser geschützt haben. Im Gegensatz zur Situation in Dithmarschen, wurden nun die Siedlungen auf Warftenreihen errichtet, die bestehenden Wasserläufen und älteren Deichen folgten, wie z.B. Schadendorf, Seester, Neuendeichund Kamperrege. Gräben wurden ausgehoben, um lange Flurstreifen zu begrenzen und zu entwässern. Ihr Wasser floss in Kanäle, die auf ehemals natürlichen Wasserläufen beruhten, und weiter in die Flüsse entwässerten. Diese Struktur ist bis heute erhalten geblieben. Neue Eindeichungen schützten gegen das Moorwasser nahe der Geest, wie die Straße westlich von Kurzenmoor zeigt.
Die ältesten noch bestehenden Gebäude sind die spätromanische Kirche von Haseldorf und die im Kern gotischen Kirchen vonHaselau und Seester, von denen nur die Kirche in Haselau einen nennenswerten Kirchturm hat, während die anderen Kirchen wegen des wenig tragfähigen Bodens nur kleine Glockentürme aufweisen. Die von Wassergräben umgebenen Standorte des ehemaligen Herrenhäuser in Haselau und Haseldorf, stammen ebenfalls in ihren Ursprüngen von Burgen aus dem Mittelalter. Das Gut Seestermühe wurde im 16. Jahrhundert vom Gut Haseldorf abgetrennt. Der zu großen Teilen vorhandene Gutsbesitz in Verbindung mit den Gutshöfen selbst nahm erheblich Einfluss auf den Verlauf der Landnahme und Landschaftsentwicklung.
3.2 Frühe Neuzeit
Die Elbe wechselte ihren Lauf abermals während des 15. Jahrhunderts. Dieses Mal wanderte sie wieder weg von den Ufern der Seestermüher und der Haseldorfer Marsch. Dennoch hat man bereits im Jahrhundert zuvor versucht, das an den Fluss verloren gegangene Marschland zurück zu gewinnen. Der Altenfeldsdeich in Seestermühe war daher bereits um 1420 vollendet. Er war eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Wiederaufbau des Dorfes. Der Neuenfeldsdeich folgte am Ende des Jahrhunderts und mit dem vorspringenden Koog Die Esch konnte eine zweite Deichlinie vor den hochmittelalterlichen Eindeichungen fast ein Jahrhundert später wieder hergestellt werden. Eine vergleichbare Entwicklung hat in der Haseldorfer Marsch nicht stattgefunden.

Grüppen auf einer Weide nahe der Krückau.
Die Entwässerung des verbliebenen Moores zwischen der Marsch und der Geest ab dem Ende des 16. Jahrhunderts, wie vermutlich in Kurzenmoor, vollendete den Landesausbau der Gegend. Neu eingeführte, Wind betriebene Pumpen verbesserten zudem die Drainagesituation. Dies war wichtig, da die Verengung der Elbe durch die Eindeichungen an beiden Flussseiten sowie der steigende Wasserspiegel zu einer höheren Flutbelastung der Deiche und des Hinterlands führten. Daher wurden Deiche wiederholt zerstört, v. a. 1634 und 1717/20, als das gesamte Marschgebiet überschwemmt wurde. Die Deiche leisteten dann aber den Fluten bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich Widerstand nachdem sie erhöht und durch Steine und Bermen verstärkt wurden und nachdem das Vorland erheblich angewachsen war.
Der Dreißigjährige Krieg brachte beträchtliche Verwüstungen in die Region und hinterließ viele Gebäude als Ruinen sowie Deiche und Gräben in einem schlechten Zustand. Daher stammen etliche der heute noch bestehenden Höfe aus der Zeit nach diesem Krieg. Die Konstruktion des Niederdeutschen Hallenhauses mit hölzerner Innenkonstruktion in Ständerbauweise und Reetdach war in der Region bis in das 19. Jahrhundert vorherrschend, wie z.B. der Hof Detjens, Am Altenfeldsdeich, und einige andere Gehöfte in der Nähe von Seestermühe. Kleinere Katen für die Arbeiter der Großgrundbesitzer sind ebenfalls erhalten geblieben, wie z.B. die Bandreißerkate in Haseldorf. Sie wurden bevorzugt am Deichfuß gebaut und finden sich in größerer Zahl in den Dörfern der ehemaligen Güter, wie etwa Seestermühe. Den Kätnern wurden nur kleine Parzellen zur eigenen Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Eine besondere lokale Entwicklung in der Bauernhausarchitektur waren Anbauten quer zu dem Hauptgebäude und, seltener, an beiden Enden vom 18. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein, die zur Nutzung als Altenteil vorgesehen waren. Weitaus repräsentativer sind Häuser der Großgrundbesitzer wie das Gutshaus von Seestermühe aus dem 18. Jahrhundert, dass allerdings
Vor den Kögen hatten sich Klei-Inseln wie Julsand und Pagensand in der Elbe gebildet, die ständig ihre Größe und Position veränderten. Beide Inseln waren bis ins 19. Jahrhundert unbewohnt und wurden hauptsächlich für die Mahd von Reet genutzt. Eine Befestigung stand auf der danach benannten Insel Hetlinger Schanze.
3.3 Neuzeit
Die Flut von 1825 richtete nur wenig Schaden an den Deichen an. Dennoch wurden sie wieder erhöht. Einen stärkeren Schutz erhielt man zudem durch die Anpflanzung von Reihen von Weiden und Eichen vor den Deichen. Diese Maßnahmen machte der gestiegenen Wasserstand der Elbe notwendig, der u. a. von der Vertiefung der Fahrrinne für die größer werdenden Schiffe beeinflusst wurde. Das ausgebaggerte Material deponierte man ab dem 20. Jahrhundert auf dem Vorland und auf dem Sandberg auf der Insel Pagensand.
Die Industrialisierung führte zum Strukturwandel in der Landwirtschaft und erforderte v.a. neue und größere, aus Ziegelstein errichtete Bauernhäuser. Das klassizistische Herrenhaus von Haseldorf wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Am Standort des Vorgängerbaus steht heute ein Mausoleum. Das Herrenhaus in Seestermühe stammt ebenfalls aus dem Jahrhundert, während am Platz des Vorgängerbaus heute ein Garten ist. In Haselau gibt es heute kein Herrenhaus mehr.
Der nördliche Teil der Insel Pagensand war zu dieser Zeit mit einem auf einer Warft stehenden Hof bewohnt. Teile eines Dammes im südlichen Teil und Deiche sind immer noch sichtbar. Elektrische Pumpstationen und aus Ziegel errichtete Schleusen, wie die Mühlendeichschleuse in Seesteraudeich, wurden eingeführt und die Vertiefung und Verbreiterung der Kanäle verbesserte weiterhin die Drainagesituation. Der Bau der Drehbrücke in Neuendeich datiert erst ans Ende des Jahrhunderts.

Der Eschallen-Koog ist eingedeichtes, ehemaliges Vorland vor dem Deich bei Seestermühe. © VermA-SH
Das Gut Seestermühe schützte die Eschschallen, das große Vorland vor den Deichen des Ortes, das bereits im 19. Jahrhundert aufgelandet war, im frühen 20. Jahrhundert mit einem niedrigen Sommerdeich vor den meisten Überschwemmungen während des Jahres. Unregelmäßige Gräben leiteten das Wasser über parallele Kanäle in die Elbe. Das Schallenhaus bezeugt noch immer die extensive Nutzung durch Reetschneiden auf dem Vorland vor dem neuen Koog. Drainagemaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg vertieften die Kanäle weiter und statteten viele Felder mit Pumpen aus. Die Lohkuhle, vermutlich ein alter Deichbruch oder Wasserlauf, sammelt als Vorfluter das Wasser für den weiteren Transport über einen neuen Kanal zu einer modernen Pumpstation in Seesteraudeich. Andere Kanäle wurden aufgefüllt, wie etwa derjenige, der vom Lauenrothsweg zu Im Felde führte.
4.1 Landnutzung
Die katastrophalen Fluten von 1953 und 1962 förderten eine weitere Verstärkung der Außendeiche. Schließlich wurde die Deichlinie beträchtlich begradigt und verkürzt, wobei die Vorländer vor Seestermühe von der Einwirkung des Flusses komplett abgeschnitten wurden. Am Ende der 1970er Jahre wurden außerdem große Vorlandgebiete, Sandbänke und sogar Elbearme in einen neuen großen Koog vor dem alten Deich der Haseldorfer Marsch einbezogen. Zudem blockierten Sperrwerke nun die Mündungen von Krückau und Pinnau. Während man den neuen Koog bei Seestermühe seitdem intensiv landwirtschaftlich nutzt, wurde der neue eingedeichte Koog bei Haseldorf teilweise zum Naturschutzgebiet. Der Wandel in der Wahrnehmung von Natur- und Umweltschutz innerhalb dieser kurzen Zeit von 10 Jahren ist deutlich durch diese unterschiedlichen Nutzungen dokumentiert. Der Großteil der Haseldorfer Marsch mit über 75 % bei den neu eingedeichter Bereichen im Süden ist Weideland, während die hauptsächliche Landnutzung in der Seestermüher Marsch der Ackerbau ist. Die Bodenqualität, die im nördlichen Teil der Landschaftseinheit ausgezeichnet ist, beeinflusst neben der Besitzverteilung, stark die landwirtschaftliche Bodennutzung.
Modernes Sperrwerk an der Mündung der Krückau.
4.2 Siedlungsentwicklung
Die Bebauung ist mehr oder weniger in ihren historischen Grenzen entlang der Deiche und Straßen geblieben, mit Ausnahme einige moderner Neubaugebiete wie in Mühlenwurth, Bei der Feldmühle, Haseldorf oder in Hetlingen. Andererseits sind moderne Einrichtungen wie das Klärwerk an der Hetlinger Schanze, Sportplätze oder der Golfplatz in Haselau auf die unbewohnte Marsch vorgerückt. Ein Gebäude des Gutshofs Haseldorf wird nun als Naturinformationszentrum genutzt.
4.3 Industrie und Energie
Windkraftanlagen existieren nicht bzw. sind nicht für das Gebiet geplant. Die einzige größere Anlage ist das weitläufige Klärwerk auf der Hetlinger Schanze.
4.4 Infrastruktur
Das Straßennetz ist immer noch in seiner historischen Form erhalten, obgleich die Straßen in den letzten Jahrzehnten modernisiert und verbreitert wurden. Kein größeres Straßenbauprojekt neuerer Zeit hat die Marsch weiter zergliedert. Kleine, moderne Yachthäfen befinden sich in der Nähe der Hetlinger Schanze wie auch hinter den Sperrwerken der Krückau und der Pinnau. Ein Yachthafen vor der Marsch bei Wedel ist im Vergleich zu den anderen besonders groß.
Die gesamte Landschaft wird raumplanerisch als Freiraum zwischen den Siedlungsachsen der Metropolregion Hamburg angesehen. Die Gegend ist Landschaftsschutzgebiet, dessen größter Teil als Schwerpunktbereich für die Erholung bewertet wird. Die gesamte Marsch vor den Außendeichen wie auch große Teile des jungen Koogs in der Haseldorfer Marsch sind Naturschutzgebiete, als dafür geeignet eingestuft oder besitzen Priorität im Biotopverbundsystem. Ein Teil des Gebiets der Landschaftseinheit ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Der Fluss Krückau wird als ökologisch wertvoll eingestuft und muss von Bauvorhaben freigehalten werden. Teile der Marsch südlich dieses Flusses sind ebenfalls Schwerpunktbereiche für Erholung. Der Landschaftsrahmenplan beschreibt bereits in einem allgemeinen Leitbild die typischen Landschaftscharakteristiken, betrachtet die Flüsse mit den angrenzenden Marschen als charakteristische, das Landschaftsbild prägende Räume und definiert die Landschaft als „naturnah“. Die Erhaltung der historischen Landschaft wird als ein Ziel von Natur- und Landschaftsschutz angesehen. Viele wichtige Landschaftselemente werden aufgelistet. Nur wenige Objekte sind auf der Denkmalliste eingetragen.
Vor allem die Wedeler Elbmarsch, ein kleiner Teil der Marsch, der an die Geest bei Wedel im Süden der Landschaftseinheit angrenzt, ist durch die steigende Zahl von Erholungs-Suchenden aus Hamburg belastet. Der Bau von Fahrrad- und Wanderwegen ist daher wichtig und muss mit Naturschutz, Sport, Erholung und Landschaftsschutz abgestimmt werden. Der Druck, der durch die große Bevölkerungszahl der Stadt Hamburg auf Gemeinden ausgeübt wird, neue Baugebiete auszuweisen und auch durch den Wunsch vieler Gemeinden nach neuen Einwohnern, kann zu weiterer Bebauung führen, die nicht im Einklang mit der traditionellen Siedlungsstruktur liegt. Zudem fördert der Bau moderner Häuser auf alten Deichen die Nivellierung dieser zunehmend seltenen, aber wichtigen Landschaftselemente.
Allgemein sind die historischen Strukturen und andere landschaftliche Werte im Vergleich mit anderen Gebieten bereits gut durch den Status als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Die Einbindung der Entwicklung des landschaftlichen und kulturellen Erbes in den gegenwärtigen Kreisentwicklungsplan kann den Druck zur Ausweitung von bebautem Gebiet, welcher immer noch gegenwärtig ist, weiter reduzieren und steuern. Die Lösung eines Konfliktes zwischen Naturschutz und Anwohnern betreffs der Nutzung des unbedeichten Vorlandes der Seestermüher Marsch kann helfen, historische Landnutzung und Landschaft mit Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen zu verbinden. Ein neuer Landschaftswanderweg um das Dorf Neuendeich unterstreicht den historischen Landschaftsbestand der Gegend und kann das Potential für Erholung und Information für Besucher und Anwohner gleichermaßen steigern.
Allgemeine Literatur:
Ahrens. Vorgeschichte des Kreises Pinneberg und der Insel Helgoland. (Neumünster 1966)
Prange, Die Bedeichungsgeschichte der Marschen in Schleswig-Holstein. In: Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 16. (Hildesheim 1986) S.1-55
Fischer. Landgewinnung und Landerhaltung in Schleswig-Holstein (Berlin 1957)
Piepke, Archäologisch-siedlungshistorische Landesaufnahme der Störmarsch im Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Kiel 2004
Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum I. (Kiel 1998)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Amendment File (Kiel 1998).
Tribbe, Neuendeich (Neuendeich 2000)
Danker-Carstensen, Dorfgeschichte Seestermühe (Seestermühe 2002)
Karten:
Archäologische Landesaufnahme Schleswig-Holstein und GIS-Kartierung
Lancewad Datenbank und GIS-Karten
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Topographisch Militärische Charte des Herzogtums Holstein (1789-1796)
Fotos © by ALSH
Stand: 11.07.2007
www.lancewadplan.de













