Historische Landschaftscharakterisierung
Föhr
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Name der Landschaftseinheit:
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Föhr
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Grenzen:
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Insel in Nordfriesland, benachbarte Landschaften sind Amrum, Sylt, die Halligen und Wiedingharde sowie die Bökingharde auf dem Festland
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Größe:
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82 km², 12 km von Süd nach Nord, 6,8 km von Ost nach West
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Ort/Lage – Karte
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Insel im Zentrum des Wattenmeers von Nordfriesland, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Namensherkunft:
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Der Name stammt vermutlich vom Wort „fahren“ ab und beschreibt einen Ort, zu dem Leute reisen.
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Beziehungen/Ähnlichkeiten mit anderen Landschaften:
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- Haufen- und Straßendörfer wie auf Sylt und der Festlandgeest
- historische Bauwerke wie Bauernhäuser, Kirchen, Wohnhäuser, wie in anderen Landschaften Nordfrieslands
- Flurformen mit Erdwällen wie auf Sylt,
- Grabhügel und megalithische Gräber wie auf Sylt, Amrum und der Festlandgeest
- Vogelkojen wie in den Niederlanden, auf Pellworm, Nordstrand und Sylt
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Charakteristische Elemente und Ensembles:
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- Straßendörfer am Geestrand mit zur Marsch ausgerichteten uthlandfriesischen Bauernhäusern
- Siedlungs- und bewuchsarme Marsch in überwiegender Weidenutzung
- Entwässerungssystem aus langen, auf Prielen basierenden Sielzügen und kurzen, parallelen, künstlichen Gräben
- Haufendörfer auf der Geest mit unregelmäßigem, von Erdwällen und modernen Knicks begrenztem Feldsystem
- Vogelkojen und Warftreste in der Marsch
- Ringwall Lembecksburg, Grabhügel
- Historischer, neuzeitlicher Stadtkern von Wyk mit zahlreichen eng beeinanderstehenden weiß getünchten, giebelständigen Backsteinbauten, Kopfsteinpflaster
- Erd- und Gallerieholländermühlen
- Mittelalterliche Kirchen
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2.1. Allgemein
Die Insel Föhr ist zusammen mit Sylt und Amrum eine der drei Geestinseln des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres. Der südliche Teil der Insel besteht aus einem Moränenrücken der Saaleeiszeit (Geest). Dieser Moränenkern erstreckt sich über etwa 12 km von Ost nach West. Er erhebt sich bis zu 13 Metern über das mittlere Tidehochwasser und wird durch die vorgelagerten Inseln Sylt und Amrum geschützt. Dadurch ist er nicht so stark von Sturmfluten betroffen wie diese Geestinseln. Dennoch gibt es einen stetigen, wenn auch geringen Landverlust, der durch die Wellen im Westen und Süden der Insel verursacht wird und häufig Spuren von alten Siedlungen aus der römischen Kaiserzeit Zeit freilegt. Dadurch haben sich niedrige Steilufer gebildet, von denen Goting Kliff das bemerkenswerteste ist und das heutzutage mittels einer Sandaufspülung geschützt wird. Im Gegensatz zu den anderen beiden Geestinseln Schleswig-Holsteins besteht der Großteil Föhrs aus Marsch, das sich bis zum frühen Mittelalter nördlich des Moränenkerns gebildet hat. Dünen spielen, im Gegensatz zu den weitläufigen Sandstränden im Westen Sylts und Amrums, nur eine geringe Rolle an der südwestlichen Küste Föhrs.
2.2 Gegenwärtiges Landschaftsbild
Die Insel Föhr ist in zwei sehr unterschiedliche Landschaftsbereiche aufgeteilt. Der Norden der Insel besteht aus niedrigem und ebenem Marschland, das eher unregelmäßig durch Gräben und Kanäle gegliedert und durch eine parallel zur der Moränenkante im Süden laufende Straße und andere, rechtwinklig davon abgehende Wege durchschnitten wird. Das Marschgebiet wird von einem Deich als äußere Grenze umgeben und geschützt, der von weitem in der offenen, baumarmen Landschaft sichtbar ist. Wenige Gehöfte und einige Vogelkojen sind, von Bäumen umgeben, in den Marschen verteilt. Einige wenige Bäume und Sträucher stehen entlang von Gräben, während einige hohe und weithin sichtbare Windkraftanlagen im Nordosten der Marsch errichtet wurden. Die Geest im Süden weist mehr Relief auf und beherbergt, geschützt durch ihre Höhe, alle Inseldörfer und die Stadt Wyk. Letztere erstreckt sich mit ihren modernen und oft großzügig ausgelegten und bewaldeten Wohngebieten und dem dichter gebauten Zentrum mit einigen mehrstöckigen Häusern über die östliche Ecke der Geest. Ein parkähnlicher Golfplatz und ein Flughafen kennzeichnen die westliche Grenze von Wyk. Die Dörfer sind entweder als Haufendörfer angelegt oder parallel zur Marsch ausgerichtet. Die Gebäude sind normalerweise im niedrigen, traditionellen Stil gebaut, während einige historische Windmühlen und Kirchen als Orientierungspunkte hervorstehen. Einige einzeln stehende Höfe befinden sich zwischen den Dörfern. Das landwirtschaftlich genutzte Land im Süden ist häufig durch Erdwälle in unregelmäßige Einfriedungen oder durch knickähnliche Busch- und Baumreihen in rechteckige Felder aufgeteilt. Kleine Wälder im Osten und Westen der Geest unterbrechen den freien Blick. Der Priel Godel durchfließt eine kleine Marschniederung im Südwesten der Geest, die fast offen zum Meer ausläuft, von diesem nur durch einen flachen Strandwall getrennt ist und daher häufiger überflutet wird.
3.1 Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter
Wenige megalithische Gräber aus der Jungsteinzeit erscheinen als älteste in der Landschaft sichtbare Spuren einer Besiedlung, die dann durch die Bronze- und Eisenzeit bis in die Völkerwanderungszeit andauerte, was anhand einer Vielzahl von Grabhügeln belegt wird, die meist weit sichtbare Landmarken bilden, wie z.B. die Hügel von Tribergem. Das archäologische Erbe ist immer noch reich und erreicht einen Höhepunkt mit der bemerkenswerten Lembecksburg oder richtiger Borgsumburg, einem kreisförmigen Erdwall aus dem frühen Mittelalter. Von hunderten ehemaligen Grabhügeln verschwanden die meisten in den letzten zwei Jahrhunderten.
Die Hügelgräber von Tribergem mit Resten von Wölbäckern.
Siedlungsreste aus der römischen Kaiserzeit und der Wikingerzeit wurden ebenfalls in den Marschgebieten gefunden, die darauf hinweisen, dass es sich dabei mit um die ältesten Marschen Nordfrieslands handelt, die nicht durch katastrophale Fluten früherer Jahrhunderte zerstört wurden. Das älteste, aus Ziegelstein und Tuff bestehenden Gebäude ist der sog. Friesendom von St. Johannes in Nieblum. Dieser wird durch zwei weitere, einfachere romanische Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert in Wyk-Boldixum und bei Süderende ergänzt, die, gleichmäßig über die Insel verteilt und daher zum Teil unabhängig von Dörfern, die Zentren der drei Gemeinden waren und sind. Intensive Landnutzung (Beweidung) und das Entfernen des Oberbodens hatte bereits zu dieser Zeit das Ackerland in unfruchtbares Heideland verwandelt, das große Teile der Insel bis in die Neuzeit bedeckt. Mittlerweile bewaldete Überreste finden sich immer noch bei Toftum. Reste mittelalterlicher Wölbäcker, Strukturen die von der damals üblichen Pflugtechnik stammen, haben sich zwischen den Grabhügeln von Tribergem erhalten.
Die wikingerzeitliche Befestigung der Lembecksburg.
3.2. Frühe Neuzeit
Die relativ sichere Lage der Siedlungen war möglicherweise der Grund für die späte Eindeichung der gesamten Marsch im 16. Jahrhundert, obwohl frühere Ringdeiche, wie bei Ackerum, wohl existierten. Viele Späthinge, Teiche entlang der Deiche, zeugen von der Errichtung und der häufigen Reparatur des Deiches, da ein Gesetz bestimmte, dass das Material dafür innerhalb der Marsch gewonnen werden musste. Da die Sturmfluthöhe im späten Mittelalter anstieg und Marschgebiete v.a. in Norden durch Sturmfluten zerstört wurden, fand die Besiedlung seit dem 16. Jahrhundert fast ausschließlich auf der erhöht liegenden Geest statt, wo sich Höfe auf schmalen Parzellen zum Marschland hin orientierten, verbunden durch zwei Straßen, die parallel zur Geestkante verliefen. In Dörfern wie Midlum, Oevenum und Toftum ist diese Struktur immer noch beeindruckend gut erhalten. Andere Siedlungen wie Nieblum, die nicht direkt mit der Marsch verbunden waren, entstanden als Haufendörfer, die in einer lockeren Struktur um das Zentrum herum angelegt waren. Hier kamen nur wenige neue Wohngebiete dazu. Die typischen Friesenhäuser sind noch immer vorhanden. Sie existieren entweder als original erhaltene oder restaurierte Häuser, die sich bis in das 17. Jahrhundert zurück datieren lassen, oder als moderne Kopien, die sich mehr oder weniger an dem traditionellen Stil orientieren. Einige besonders reich ausgestattete Bauernhäuser im uthlandfriesischen Stil wurden von friesischen Seefahrern erbaut, die ihr Vermögen, das sie durch ihre Fahrten verdienten, hier investierten. Diese Häuser wurden oft durch zusätzliche Gebäude im rechten Winkel erweitert. Fast alle wurden in Ferienapartments umgewandelt, nur zwei Höfe in Utersum und Midlum werden noch immer für den originalen, landwirtschaftlichen Zweck genutzt. Zur Weiterverarbeitung der Getreideproduktion diente im 18. und 19. Jahrhundert je eine Windmühle pro Dorf. Vier holländische Erd- und Galleriewindmühlen haben überlebt und befinden sich, wie diejenige in Wrixum, in einem guten Zustand, obwohl sie nicht mehr genutzt werden.
Die Heringsfischerei brachte im 16. Jahrhundert ein gutes Auskommen nach Föhr. Als aber die Schwärme am Ende dieser Zeit immer kleiner wurden, konnte glücklicherweise eine neue Einkommensquelle durch die Walfangschiffe erschlossen werden, die unter hamburgischer und holländischer Flagge unterwegs nach Grönland und Spitzbergen waren. Grabplatten bei den alten Kirchen erzählen manchmal ganze Lebensgeschichten dieser Seefahrer. Die an Bedeutung verlierende Landwirtschaft musste von den Frauen der Seefahrer und älteren Leuten aufrechterhalten werden. Die übliche Arbeit auf den Walfangschiffen wurde schließlich durch die profitablere Anstellung auf Handelsschiffen ersetzt, was zu einer kurzen wirtschaftlichen Blüte führte, die viele reich ausgestattete Pesel ermöglichte und die schließlich abrupt durch die Kontinentalblockade Napoleons im frühen 19. Jahrhundert endete. Die Allmende, das gemeinsam genutzte Weideland, musste am Ende des 18. Jahrhunderts auf Anordnung der dänisch-königlichen Verwaltung, die nur für den westlichen Teil der Insel zuständig war, zwischen den Bauern aufgeteilt und die Parzellen eingegrenzt, verkoppelt, werden. Nur dort kann man die typischen, den Knicks verwandte Erdwälle finden, die zur Abgrenzung aufgeschüttet wurden. Der östliche Teil der Insel gehörte dem Herzog von Schleswig, während das Dorf Wyk, das nach der großen Sturmflut von 1634 durch Zuzug beträchtlich angewachsen war, seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts eine gewisse Verwaltungsunabhängigkeit als sog. Flecken vom Rest der Insel erhalten hatte. Der Gebrauch der Sprachen in der Gegenwart spiegelt noch immer die historische Verwaltungssituation wider. Während die Menschen im Westen häufig einen friesischen Dialekt benutzen, sprechen die Inselbewohner im Osten Plattdeutsch.
3.3 Neuzeit
Die heftige Sturmflut von 1825 verursachte den letzten großen Deichbruch, der das gesamte Marschgebiet Föhrs überschwemmte. Die Zerstörungen auf den Halligen ließen zudem viele dortige Bewohner v.a. in Wyk Zuflucht suchen. Das Seebad in Wyk, das erst seit 1910 Stadtrechte hat, wurde 1819 als das erste in Schleswig-Holstein gegründet und ist immer noch ein wichtiger ökonomischer Faktor und ein Anziehungspunkt für die Touristen. Es betont die einzigartige Kombination auf der Insel aus langer Tourismustradition gepaart mit Landwirtschaft und Seefahrt. Das Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museum dient seit dem frühen 20. Jahrhundert als Inselmuseum für Naturgeschichte, Geschichte und Archäologie. Wyk als städtisches Zentrum Föhrs und des benachbarten Amrums, mit seinen ausgedehnten, neuen Wohngebieten, konzentriert heutzutage mehr als die Hälfte der Inselbevölkerung innerhalb seiner und der Ortsgrenzen des eingemeindeten Dorfes Boldixum. Wyk hat besonders während der letzten Jahrzehnte an Größe zugenommen und umfasst nun eine ansehnliche Anzahl moderner Gebäude und besonders von Zweitwohnungen. Die wachsende Zahl der letzteren förderte zudem eine Preissteigerung bei Immobilien, die es besonders schwierig für Inselbewohner machte, erschwingliches Bauland zu erwerben. Eine weitere Ausbreitung der Neubaugebiete ist nun größtenteils durch den Regionalplan unterbunden.
Die Landwirtschaft wurde zunehmend profitabel durch die Anwendung von Kunstdünger und modernen landwirtschaftlichen Techniken auf der Geest, als auch durch intensive Drainage in der Marsch. So wurde die Landwirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert die Haupteinkommensquelle. Die Marschen Föhrs sind die einzigen alten Marschgebiete Schleswig-Holsteins, die in der frühen Neuzeit unbewohnt blieben. Mit Ausnahme des Ackerumhofs aus dem 19. Jahrhundert hat die Besiedlung hier erst wieder seit den 1960er Jahren Fuß gefasst, als Höfe aus den engen Dörfern auf die weitläufigen Landwirtschaftsflächen ausgesiedelt wurden. Eine Flurbereinigung wurde durch das Programm Nord initiiert, die das Acker- und Weideland der Insel neu ordnete, um kleine verstreute Feldteile in wirtschaftliche Einheiten zusammen zufassen. Einige Vogelkojen, Vogelfangeinrichtungen, von denen die älteste aus dem frühen 18. Jahrhundert in Alt-Oevenum steht, existieren immer noch in den Marschen. Sie prägen die offene Landschaft durch ihre weithin sichtbaren Gehölze und zeigen den holländischen Einfluss, der durch die lokalen Seefahrer hereingebracht wurde. Einige Windkraftanlagen wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts errichtet, eine Entwicklung, die heutzutage zum Stillstand gekommen ist.
Walknochen als Eingang zum Karl-Haeberlin-Friesenmuseum in Wyk.
4.1. Landnutzung
Die Landwirtschaft ist im Vergleich zu den anderen, stark touristischen Inseln immer noch von Bedeutung. Die Entwicklung führt zu einer Vergrößerung weniger Höfe und zu zusätzlichen touristischen Angeboten durch die Landwirte. Aufgrund der Bodenqualität und der traditionellen Landnutzung wurde die Marsch niemals intensiv und umfassend für den Ackerbau genutzt. Die Tendenz geht daher auch stark hin zur Stilllegung von landwirtschaftlich genutzten Flächen, zum Vertragsnaturschutz und zu qualitätsbasierten Produktionen wie dem ökologischen Landbau. Eine andere Tendenz ist allerdings auch eine wieder stärkere Hinwendung zum industrialisierten Mais- und Energiepflanzenanbau für die Versorgung von Biogasanlagen. Von diesen sind mehrere auf Föhr geplant oder im Bau. Biogasanlagen aber auch die Tendenz zur Massentierhaltung in Großställen beeinflussen die Landschaft durch diese ortsuntypischen Bauten und den Rückgang der extensiven Weidewirtschaft. Die ländliche Strukturentwicklung war ein zentrales Thema der Politik in den letzten Jahrzehnten, was zu der Flurbereinigung in Rahmen des Programms Nord in den 1960er Jahren geführt hat, das v.a. eine Parzellenvergrößerung und eine bessere Infrastruktur durch Straßen, aber dadurch auch einen starken Landschaftswandel v.a. in den Marschen nicht zuletzt durch den Ausbau der Entwässerungssysteme zur Folge hatte. Nur kleine Gebiete, neben den Nationalpark Wattenmeer vor dem Deich, stehen unter Naturschutz, wie z.B. die Goldelniederung. Für diese werden aktuell Küstenschutzmaßnahmen diskutiert, um eine weitere Erosion des Strandwalls aufzuhalten. Viele Aktivitäten werden aufgrund privater Initiative lokaler Naturschutzgruppen unternommen. Eine davon ist die Umwandlung von Land in Biotope am Außendeich in Oevenum. Das Produktlabel „Uthlande“ wurde für Produkte von den Inseln und Halligen eingeführt, um einheimische Produkte zu stärken und besser zu vermarkten.
4.2 Siedlungsentwicklung
Die Insel ist Ordnungsraum für Tourismus und Erholung. Die Aktualisierung des Regionalplans schränkt daher eine weitere Ausweisung von Neubaugebieten für Häuser und Campingplätze ein. Ausnahmen werden nur für die Inselbewohner selbst gemacht, da die wachsende Zahl von Besitzern von Zweitwohnungen zu einem Preisanstieg für Grundstücke geführt hatte, was es für Inselbewohner zunehmend schwierig macht, kostengünstiges Bauland zu erwerben. Häuser außerhalb Wyks haben normalerweise nicht mehr als zwei Stockwerke. Neue Gebäude integrieren sich für gewöhnlich in das lokale Umfeld. Der Tourismus, der sich v.a. auf Wyk als Kurort konzentriert, hat eine wichtige ökonomische Bedeutung für die Insel. Weitere Baumaßnahmen in diesem Sektor sind ebenfalls eingeschränkt, und es wird vorausgesetzt, dass Bauwerke sich in die Landschaft integrieren. Dennoch ist nicht genau festgelegt in welcher Form dies erfolgen soll. Eine Erweiterung mit künstlichem Heideland ist für den Golfplatz geplant. Das Friesenmuseum in Wyk gibt Besuchern einen Einblick in die lokale Natur- und Kulturgeschichte, während ein neues Kunstmuseum in Alkersum Küstenbilder von international bekannten Künstlern zeigt
4.3 Industrie und Energie
Es gibt keine Industrie auf Föhr. Nur wenige Windkraftanlagen befinden sich am äußeren Deich in der Gemeinde Oevenum. Es existieren keine Pläne für eine Ausweitung. Mehrere Biogasanlagen sind jedoch in Planung, die sich in Größe und Gestalt auf die Landschaft auswirken.
4.4 Infrastruktur
Die Insel kann nur durch die Fähre oder per Sportflugzeug erreicht werden. Der Hafen von Wyk bietet eine gezeitenunabhängige Verbindung nach Dagebüll in der Bökingharde. Die Straßen sind zumeist schmal und müssen teils von Autofahrern, Radfahrern und Wanderern zusammen genutzt werden. Neue Straßen wurden zuletzt in den 1960er Jahren in den Marschen gebaut.
Das Watt um Föhr wurde zum Grabungsschutzgebiet erklärt und gehört zum Nationalpark Wattenmeer. Große Teile der Insel erfüllen die Anforderungen für Landschaftsschutzgebiete. Die moderne Marsch wird auch als strukturell reiche Landschaft betrachtet. Gotingkliff wird als geologisch bedeutendes Gebiet (Geotop) gelistet. Der Naturschutz zielt auf eine weitere Integration der Landwirtschaft und eine Förderung der extensiven Weidewirtschaft und von Vertragsnaturschutz ab. Weiterhin wird empfohlen, die Anzahl der sog. typischen Landschaftselemente zu erhöhen und bestehende Elemente in das Netzwerk der Biotope und Schutzgebiete zu integrieren wie die Salzwiesen der Godelniederung. Das Tourismuskonzept Nordfrieslands fördert eine nachhaltige Entwicklung in diesem Bereich. Eine Verbesserung von landschaftsbezogenem Tourismus zusammen mit Reiten, Rad fahren und Wandern wird vom Landschaftsplan empfohlen. Die staatliche Förderung von klimaneutralen Energien wie Windkraft, Sonnenenergie und Biogas hat erheblichen Einfluss auf die Kulturlandschaft.
Die alten, unregelmäßigen Flurformen, die die Marsch charakterisieren, und sogar noch im Landschaftsbild erkennbare mittelalterliche Ringdeiche sind seit den 1960er Jahren durch Parzellenvergrößerungen und die Begradigung der Wasserläufe verloren gegangen. Einige interessante archäologische Denkmale sind überwachsen oder sogar unzugänglich, wie die Hügel bei Hedehusum. Viele wurden zerstört, wobei es sich dabei v.a. um Grabhügel handelte. Es gibt keine ausgeschriebenen Wege für Fußgänger oder Radfahrer, besondere Wege hierfür fehlen entlang der schmalen Straßen. Der Eindruck der ehemals unbewohnten und sonst eher ungestörten Marsch wird durch die modernen Höfe geschmälert. Moderne Gebäude in Wyk überragen meist bei weitem die Höhe der traditionellen Häuser. Viele Landschaftselemente, wie die niedrigen Wälle zur Feldeingrenzung, sind gefährdet, durch die Landnutzung allmählich zerstört zu werden. Einige sind, aufgrund des beträchtlichen Bewuchses, nicht mehr als historische Landschaftselemente erkennbar, wie z.B. die Hügel von Monklembergem in der Nähe von Süderende. Dadurch wird der Eindruck vom Reichtum und der Vielfalt der Landschaft geschmälert. Möglichkeiten zur Asuweisung von Neubaugebieten für Zweitwohnungen bestehen immer noch. Bei den Flächenstilllegungen und Biotop-gestaltenden Maßnahmen auf der Insel neigt man dazu, die historischen Landschaftsstrukturen und Situationen nicht ausreichend zu berücksichtigen, während sie auf eine Rekonstruktion einer naturbelassenen Umgebung zielen. Eine Kooperation mit kompetenten Partnern ist in dieser Hinsicht notwendig. Die Berücksichtigung der Auswirkungen von klimaneutralen Energien auf die Kulturlandschaft ist bei der Vergabe von Fördermitteln dringend geboten, da gerade hier erhebliche Veränderungen durch die Anlagen selbst, aber auch durch die veränderte Landnutzung zu befürchten sind. Große Auswirkungen hat hier auch der Trend zur Tierhaltung in Großställen, die landschaftlich nicht angepasst sind und zum Rückgang der traditionellen und landschaftsschonenden extensiven Weidewirtschaft führen.
Die Insel besitzt ein reiches archäologisches Erbe, besonders aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit, wie auch Spuren einer mittelalterlichen Besiedlung der Marschgebiete. Diese Vielfalt und Quantität ist selten in der Wattenmeerregion. Abgesehen von den modernen, ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebieten Wyks ist die originale Dorfstruktur der Insel noch meist intakt und sogar die Gebäude selbst zeigen oft ein harmonisches Bild der traditionellen Bauweise. Vor allem Wyk besitzt eine lange Geschichte als Kurort, was der Insel eine konstante Anzahl von Besuchern beschert, die das erholsame Klima der Nordsee das ganze Jahr über suchen. Wichtige Denkmäler sind geschützt. Noch besser ausgewiesene und dokumentierte Wander- und Radwege durch die Kulturlandschaft, Informationen über und Einbindung von Kulturelementen, Museum und Landschaft könnten vermehrt Touristen ansprechen, die an kulturellen Aspekten und der traditionellen Landschaft interessiert sind. Solche zusätzlichen Angebote erhöhen den Reiz der Insel für Besucher der Gesundheitseinrichtungen wie auch für Erholungstouristen. Bestehende historische Landschaftselemente, etwa die Reste des Heidelands, wie auch die Rekonstruktion von historischen Strukturen in den Marschen bergen ein großes Potenzial für den Tourismus. Kulturfragen sind bestens dafür geeignet, das lokale Image für Marketingzwecke zu stärken.
Allgemeine Literatur:
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Gemeinsames Wattenmeer Sekretariat (Hg.). Das Wattenmeer. (Stuttgart 2005)
Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Regionalplan für den Planungsraum V, Fortschreibung. (Kiel 2004)
Kunz, Panten. Die Köge Nordfrieslands. (Bredstedt 1997).
Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein (Hg.). Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum V. (Kiel 2002)
Segschneider, M. Die Marschen der Insel Föhr und der Wiedingharde, Kreis Nordfriesland. Dissertation Kiel 2004
Steensen, T. (Hg.). Das große Nordfrieslandbuch. (Hamburg 2000)
Vogel, Der nordfriesische Geestrand, die Entwicklung seiner ländlichen Siedlungen und ihrer Flurformen. (Bräist/Bredstedt 1996)
Vollmer, et. al. (Hg.). Landscape and Cultural Heritage in the WaddenSea Region – Project Report. WaddenSea Ecosystem No. 12. CommonWaddenSea Secretariat. (Wilhelmshaven 2001)
Karten:
Archäologisches Landesaufnahme Schleswig-Holstein und gis-Kartierung
Lancewad-Daten und gis-Kartierung
Königlich Preußische Landesaufnahme von 1879
Karte von H. du Plat, 1804/05
Karte von J. Mejer, 1648
Stand: 07.08.2007
Fotos © by ALSH













